Flughafen Tempelhof: Vom Anfang bis zum Ende - ein Rückblick

Wenn am 8. Mai 2010 das ehemalige Flugfeld Tempelhof als Gelände wieder an die Bürger zurückgegeben wird, dann kann man diesen Tag nicht feiern, ohne die unglaubliche spannende Geschichte dieses ehemaligen Flughafens noch einmal Revue passieren zu lassen.

Die Lage war einst eine Stärke
Schon immer war die Lage des Flughafens Tempelhofs inmitten einer Großstadt etwas Außergewöhnliches. Davon profitierte fast ein ganzes Jahrhundert die Stadt selbst und ihre Umgebung, aber auch die Pioniere der Luftfahrt mit ihren großen Visionen, die sie zumindest zum Teil auf Tempelhof in die Wirklichkeit umsetzen konnten.

In Tempelhof begann das deutsche Zeitalter der Fliegerei
Dabei wurden die Tage vom 4. bis zum 20. September 1909 zu einem historischen Datum: Der nach einem Flugunfall wieder einigermaßen gesunde Orville Wright, einer der berühmten Flugpioniere Gebrüder Wright, führte auf dem Tempelhofer Feld unter großer Anteilnahme der Berliner Bevölkerung, man schätzte 350.000 Zuschauer, Demonstrationsflüge durch, wobei er mit 172 Metern Höhe einen Weltrekord aufstellte.
Es waren die Tage, als von deutschem Boden erstmals ein Motorflugzeug abhob. Zudem führte Wright noch einen Passagierflug von etwa eineinhalb Stunden durch.

Vom Flugfeld zum Flughafen
Die Entwicklung der „Flugmaschinen“ nahm zu dieser Zeit rasant Fahrt auf, und der 8. Oktober 1923 wurde zu einem weiteren historischen Datum: Aus dem „Flugfeld Tempelhof“ wurde offiziell der „Flughafen Berlin“, der sich schnell zum größten Drehkreuz Europas entwickelte. Drei Jahre später, am 6. Januar 1926, wurde dann die „Deutsche Lufthansa AG“ gegründet und der „Flughafen Berlin“ ihr Heimatflughafen.

Vom Größenwahn der Nazis
Vermutlich Hitler selbst war es, der befahl, dass man aus Tempelhof einen völlig neuen, in seiner Größe noch nie dagewesenen Flughafen bauen soll. Mit dem Neubau wurde 1936 begonnen, und es entstand das bis heute größte Flughafengebäude der Welt. Es wurde ein weiteres Bauwerk in Berlin, dessen Ausmaße den Größenwahnsinn der Nazis widerspiegelt. Das Ziel der Nazis war, dass rund sechs Millionen Menschen im Jahr in Tempelhof starten und landen sollten, was sich aber schnell als Utopie herausstellte.

Tempelhof als Teil der Strategie des Krieges
Tatsache aber war, dass die Nazis mit Tempelhof wichtige Voraussetzungen für die Vorbereitung des Zweiten Weltkriegs schufen. Zivilen Luftverkehr gab es während des Krieges kaum noch.

1945: Die Amerikaner übernahmen das Kommando
In den Tagen der Befreiung, nach Ende des Krieges, war Tempelhof kurze Zeit unter russischer Kontrolle, 1945 wurde er von den Amerikanern übernommen. Ein Jahr später, am 18. Mai 1946, wurden von den Alliierten wieder zivile Flüge erlaubt. Das erste Flugzeug, das damals abhob gehörte der „American Overseas“.

Luftbrücke und Rosinenbomber
Wie wichtig Tempelhof für Berlin wurde zeigte sich, als am 24. Mai 1948 die Sowjetunion über West-Berlin eine totale Blockade verhängte, die erst wieder am 12. Mai 1949 aufgehoben wurde. Es war die Zeit der unvergesslichen Luftbrücke, als die USA, Frankreich und Großbritannien mit 277.728 Flügen, und 2.326.205 Tonnen Versorgungsgütern Berlin vor einer großen menschlichen Tragödie bewahrten – es war die große Zeit der legendären „Rosinenbomber“.

1990: Wieder unter deutscher Kontrolle
Ein weiteres historisches Datum wurde der 3. Oktober 1990 im Zuge der Wiedervereinigung als nicht nur Tempelhof, sondern die komplette Lufthoheit von den Alliierten an Deutschland übergeben wurde. Nun konnten auch wieder die Lufthansa und überhaupt alle europäischen Airlines wieder in Berlin starten und landen. Der zivile Luftverkehr auf Tempelhof wurde zu einer echten Erfolgsgeschichte.

… und dann kam Tegel
Geändert hat sich der Flugbetrieb dann Mitte der 1990er Jahre, als beschlossen wurde, in Tegel einen großen und modernen Flughafen zu bauen. Der Flughafen Tegel wurde innerhalb kürzester Zeit zur Nummer 1, Tempelhof verlor nach und nach an Bedeutung und bescherte so ein jährliches Defizit von bis zu 15 Millionen Euro.

Vom Ende der Flughäfen Tempelhof und Tegel
Mit dem Bau des neuen Berliner Großflughafens in Schönefeld endete auch die Zeit des Flughafens Tempelhof, und auch der Flughafen Tegel wird ab Herbst 2011 nur noch Geschichte sein.

Erinnerungen bleiben
Tempelhof wird am 8. Mai 2010 den Bürgern der Stadt übergeben und erhält somit eine neue Funktion. Erhalten aber bleiben die monumentalen unter Denkmalschutz stehenden Bauten, die nach wie vor eine einzigartige Kulisse bilden.