Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche - Kirche und Mahnmal am Kurfürstendamm

Sie ist nicht nur die meist fotografierte Kirche Berlins, sondern auch eines der herausragendsten Fotomotive für Touristen überhaupt: die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche, die jeder nur Gedächtniskirche nennt. Sie ist eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Berlins, es gibt keinen Reiseführer auf der ganzen Welt, der neben dem Brandenburger Tor nicht auch die Gedächtniskirche beschreibt. Es ist keine Kirche im herkömmlichen Sinne, es ist ein außergewöhnliches Ensemble aus Ruine und Neubau und auch Mahnmal gegen Krieg und Zerstörung.

Kurze Geschichte
Im Bombenhagel in der Nacht zum 23. November 1943 wurde die neoromanische Kirche, einst gebaut als Gedächtniskirche für den verstorbenen Kaiser Wilhelm I., zerstört. Nur der Turm blieb trotz enormer Schäden stehen. In Berlin war man sich schnell einig, dass der Turm erhalten werden muss, und zwar ohne Restaurierung, um an die Schrecken des Krieges zu erinnern. Eine Kirche sollte aber trotzdem an gleicher Stelle errichtet werden.

Architekt Egon Eiermann musste sich den Berlinern beugen
Um ein harmonisches Ensemble zu schaffen, wurde ein Architekt von Weltruf, Egon Eiermann, mit der Planung beauftragt. Eiermann wollte eigentlich den Turm abreißen lassen, rechnete aber nicht mit einem wahren Aufstand der Berliner, und er musste sich dem Proteststurm beugen. Es gelang ihm in hervorragender Weise eine neue Kirche mit Foyer, Kapelle und neuem Turm um die Ruine zu gruppieren. Das Ergebnis ist heute noch beinahe unverändert zu sehen.

Das Kircheninnere ist eine Sensation
Berlin-Besucher sollten nicht versäumen die neue Kirche zu betreten. Sie ist etwas ganz Besonderes und ein wunderschöner Raum, um kurz vom Trubel um sie herum innezuhalten. Die spontane Ruhe ist vor allem den tiefblauen Glaswänden zu verdanken, die der Kirche eine unvergleichliche Atmosphäre verleihen. Die Glaswände sollen aus 30.000 Einzelteilen bestehen, die mit ihrem Blau herrlich differieren, gezählt wurden sie wohl nie.
Tipp: unbedingt fotografieren!!

Der „Schwebende Christus“
Diese Atmosphäre wird noch verstärkt durch die Leichtigkeit des schwebenden Christus über dem Altar. Es ist ein Kunstwerk, das trotz seinem Gewicht von nahezu sechs Zentnern und einer Höhe von 4,60 Metern in der Tat zu schweben scheint und mit segnenden Armen das obligatorische Kreuz über dem Altar ersetzt. Trotzdem findet man auch ein eher bescheidenes aus vergoldetem Silber bestehendes Altarkreuz.

Übrigens wurde der Christus von einem Bayern erschaffen, vom Münchner Bildhauer Karl Hemmeter, der wohl froh war, aus den strengen Vorgaben bayerischer Kirchenausstattung ausbrechen zu können.

Eine Bleistiftzeichnung von Ernst Barlach in Form eines Triptychon steht auf dem Altar - mit dem Kriegsdatum 15. Mai 1915. Auf der Empore wurde eine Kleinorgel installiert, die trotz ihrer Größe von der ausgezeichneten Akustik der Kirche profitiert.

Die Ruine als Mahnmal
Auch die Eingangshalle der Turmruine wurde als Mahnmal gestaltet. Auf sechzehn Schautafeln in der Gedenkhalle spiegeln Bilder aus dem zerbombten Berlin die Schrecken des Krieges wider. Um nicht zu vergessen, wer den Krieg begonnen hat, erinnert ein Nagelkreuz an deutsche Bombenangriffe: Verbrannte Dachbalken der 1940 zerstörten Kathedrale von Coventry lieferten die Nägel für dieses eindrucksvolle Zeichen der Versöhnung. Die Russisch-Orthodoxe Kirche entsandte 1988 ein Ikonenkreuz nach Berlin als Geste der Aussöhnung zwischen dem russischen und deutschen Volk.

Gewollte Jahrmarktsatmosphäre
Aufregung gibt es immer wieder wegen der vielen Verkaufshütten, die etwas von Touristenrummel vermitteln. Und diesem Eindruck kann man nicht widersprechen. Der Pfarrer der Gedächtniskirche selbst verteidigt dies, denn die Mieten der Händler fließen allesamt in die enormen Betriebskosten der Kirche.

Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche
Kurfürstendamm 237, 10789 Berlin
Öffnungszeiten
Kirche: täglich von 9 bis 19 Uhr
Eintritt frei
Führungen
Montag bis Samstag um 13.15, 14 und 15 Uhr, Montag, Freitag und Samstag zusätzlich um 10.15, 11 und 12 Uhr.
Diese Führungen beginnen in der „Gedenkhalle im Alten Turm“. Sie dauern 30 Minuten und sind kostenlos, um eine Spende wird gebeten.
Anfahrt
U-Bahn: U1 und U9 bis Bahnhof Kurfürstendamm
S-Bahn: S3, S5, S7, S75 bis Bahnhof Savignyplatz
Bus: 109, 110, M19, M29, Haltestelle Bleibtreustraße