Urania-Weltzeituhr am Alexanderplatz - ein technisches Meisterwerk

Was hat die DDR-Oberen wohl bewegt, im Zentrum Ost-Berlins, am Alexanderplatz, im Jahre 1969 eine Weltzeituhr zu installieren, mit Zeitangaben von Ländern dieser Welt, die für die DDR-Bürger unerreichbar waren? Vermutlich waren es zwei Gründe: Es sollte ein Symbol für Weltoffenheit und ein sozialistisch-technisches Meisterwerk werden.

Der Erbauer der Uhr, Erich John, schreibt über sein Werk:
„Mein Entwurf ersetzt den Stundenzeiger durch einen Stundenring, der die Stunden, gekennzeichnet durch die Farben des Goetheschen Farbkreises, durch die 24 Zeitzonen wandern lässt. Die Tafeln der Zeitzonen ermöglichen die schriftliche Darstellung von mehr als 150 Orten im Erdkreis. Das darüber kreisende Planetensystem lässt unseren Zeitbezug zu dem Geschehen im Weltraum deutlich werden, fungiert hier mit dem durch einen Ring gekennzeichneten Saturn, aber als Minutenzeitgeber. Eine Umdrehung - eine Minute.“

Warum Urania-Weltzeituhr?
Der komplette Name Urania-Weltzeituhr kommt daher, da man im Jahre 1966 bei Erdarbeiten eine sogenannte Urania-Säule gefunden hat. Es war eine etwa sechs Meter hohe Straßenuhr mit Wetterstation, die von der Berliner Uhrenfabrik „Urania“ gebaut wurde. Heute ist die „Urania-Säule“ ein feststehender Begriff für alle Straßenuhren.

Geografische Fehler inklusive
Dass man einige Städte in falsche Zeitzonen platzierte, wurde über Jahre hinweg einfach ignoriert. Erst nach der Wende, im Zuge einer umfassenden 350.000-DM-Sanierung, wurden auch diese Fehler korrigiert, vorher jedoch diskutierte man heftig darüber, ob man die Weltzeituhr in ihrem Äußeren unverändert belassen sollte oder nicht, bis beschlossen wurde, sie um weitere 20 neue Städte zu ergänzen.

Ein technisches Vorzeigeobjekt
Insgesamt gesehen ist die 16 Tonnen schwere und zehn Meter hohe Weltzeituhr ein technisches Wunderwerk, das auf einem Windrosen-Mosaik ruht, hochkompliziert und wohl einmalig - mit dem Charme der späten 1960er Jahre.

Erich John richtete sich nach den 24 Zeitzonen, weshalb die Uhr 24 Seiten hat, die in 24 Segmenten einige Länder geografisch darstellt. In der Uhr selbst dreht sich ein farbig emaillierter Zylinder, der ein Ablesen der aktuelle Uhrzeit für alle Zeitzonen ermöglicht. Über dem Zylinder rotieren auf Metallkreisen verschiedene Kugeln, die einige Planeten auf ihren Umlaufbahnen symbolisieren.

Um die Weltzeituhr wetterfest zu machen wurde sie mit speziell geätzten Aluminiumplatten verkleidet. In dieser Aluminiumverkleidung sind die Namen bedeutender Städte, passend zur jeweiligen Weltzeit, eingraviert.

Das „Trabi“-Getriebe hat sich bewährt
Der Elektromotor, mit einem Trabant-Getriebe, der die Uhr antreibt, stammt noch aus DDR-Zeiten und hat sich als unverwüstlich erwiesen. Er befindet sich zwei Meter unter der Erde in einem etwa fünf Quadratmeter großen und fast zwei Meter hohen Raum.

Die Weltzeituhr war und ist noch immer der Ort, wo man sich verabredet, wenn man sich in der City-Ost treffen will, aber auch ein beliebtes Fotomotiv. Und noch eines zeichnet die Weltzeituhr aus: Sie ist noch immer das einzig sehenswerte Bauwerk am Alexanderplatz.