Rotes Rathaus Berlin: Regierungssitz in historischen Mauern

Das Rote Rathaus befindet sich östlich des Nikolaiviertels im Stadtteil Berlin Mitte und gilt neben der Marienkirche als einziges geschichtsträchtiges Bauwerk zwischen Spree und Alexanderplatz. Der Name ist nicht, wie man vermuten könnte, eine Anspielung auf eine politische Gesinnung, sondern kommt von den für Berlin so charakteristischen roten Backsteinen.

Italienisches Feeling mitten in Berlin
Im Jahre 1857 wurde der Neubau eines Rathauses als Ersatz für eine alte Gerichtslaube aus dem 13. Jahrhundert beschlossen. Den Auftrag erhielt der Baumeister Hermann Friedrich Waesemann. Nach seinen Plänen wurde der viergeschossige Mehrflügelbau im Stil der Neurenaissance von 1861 bis 1869 errichtet. Waesemann ließ sich unverkennbar von den schmucken Palästen der italienischen Renaissance inspirieren.

Weithin sichtbar ist der 74 Meter hohe Uhrturm über dem Haupteingang des Roten Rathauses, der auf keiner Berlin-Postkarte fehlt. Er wurde zu einem Wahrzeichen Berlins. Auch für diesen Turm hatte Waesemann ein Vorbild: den Glockenturm der Kathedrale im französischen Laon Pate.
36 Terrakottareliefs als geschichtliche Chronik

Das Besondere des Roten Rathauses spiegelt sich auch in vielen Details wider. Erst acht Jahre später, von 1877 bis 1879, nach der Fertigstellung des Bauwerks, wurde damit begonnen, auf Höhe des ersten Stockwerkes die sogenannte „Steinerne Chronik“ anzubringen. Hierfür holte man die in dieser Zeit besten Bilderhauer: Geyer, Schweinitz, Brodwolf und Calandrelli, sie schufen die 36 Terrakottareliefs die von der Geschichte Berlins erzählen. Der Innenausbau des Roten Rathauses wurde allerdings erst im Jahre 1895 komplett abgeschlossen. Die erste Sitzung einer Stadtverordnetenversammlung im Roten Rathaus fand aber bereits im Januar 1870 statt.

Schwere Bombenschäden und Wiederaufbau
Im Zweiten Weltkrieg wurde das Rote Rathaus schwer beschädigt. Der aufwändige Wiederaufbau in den Jahren 1951 bis 1956 fand unter der Regie des Architekten Fritz Meinhardt im Auftrag der DDR-Regierung statt.

Das Innenleben
Das Rote Rathaus verfügt über 247 Räume. Der Wappensaal wird hauptsächlich für Staatsempfänge und Eintragungen in das Goldene Buch der Stadt genutzt. Der schönste Raum ist allerdings der Säulensaal. Die einstige Bibliothek wurde nach dem Vorbild des Palazzo Pubblico in Siena kunstvoll ausgemalt. In dieser vierschiffigen Halle finden öffentliche Konzerte und Ausstellungen statt. Für Großveranstaltungen stehen der 30 Meter lange Festsaal und der beeindruckende Innenhof zur Verfügung.

Heute Sitz des Regierenden
Zunächst diente das Gebäude dem Magistrat Ostberlins als Sitz, während der Senat Westberlins im Schöneberger Rathaus seinen Sitz hatte. Nach der Wiedervereinigung wurde im Jahre 1991 das Rote Rathaus Amtssitz des Regierenden Bürgermeisters Berlins.

Einen virtuellen Rundgang durch das Rote Rathaus findet man auf der Seite http://www.berlin.de/rbmskzl/rundgang/index.html