Brunnen der Völkerfreundschaft - ein „Dinosaurier“ auf dem Alexanderplatz

Neben der Weltzeituhr ist der „Brunnen der Völkerfreundschaft“ vor allem für junge Leute ein beliebter Treffpunkt. Lange Zeit war er berühmt berüchtigt durch tägliche Saufgelage und wurde vielfach gemieden. Der „Berliner Kurier“ schrieb einmal: „Schnapsleichen, leere Bier- und Sektflaschen, Müll schon am frühen Morgen: Der „Brunnen der Völkerfreundschaft“ auf dem Alex sieht an Wochenenden wie eine Müllhalde!“ Durch verschiedene Verbote ist der Brunnen heute wieder ein Platz der Erholung.

Sozialistische Neugestaltung
Und dafür war er auch gedacht, als er im Zuge der „sozialistischen Neugestaltung“ des Alexanderplatzes im Jahre 1969 konzipiert wurde. Der Name „Brunnen der Völkerfreundschaft“ verspricht allerdings mehr als er tatsächlich hält. Er scheint als ein Relikt, ein Dinosaurier längst vergangener Zeiten, was er auch ist, und was man schon alleine am Material erkennt: Kupfer, Glas, Keramik und Emaille. Eines jedoch ist unübersehbar, seine Größe.

Von der Gestaltung des Brunnens
Über eine „Treppe“ aus 17 Schalen fließt das Brunnenwasser abwärts. Durch kleine Fontänen kommt das Wasser nach außen und plätschert von einer in die nächste tieferliegende Schale bis hinein in das obere Becken, das mit buntem Emaille verziert ist. Sehr interessant ist die Wirkung des Wasserspiels durch große, ebenfalls farbige Glaskristalle, in denen sich das Sonnenlicht widerspiegelt. Diese Glaskristalle wurden in einer goldglänzenden Fassung im Brunnengestell angebracht, auf dem die rhombenförmigen Wasserschalen ruhen, verziert mit ebenso kitschigen Blumen, Schmetterlingen und Bäumen.

Zentrum des Alexanderplatzes
Mit einem Durchmesser von 23 Metern und einer Höhe bis zur obersten Wasserschale von 6,20 Metern ist er nicht nur unübersehbar, sondern er bietet mit seinem breiten Beckenrand auch Sitzplätze für viele Ruhesuchenden oder Wartende, darunter auch viele Männer, deren Frauen rund um dem Alex auf Shoppingtour gehen.

Historische Ereignisse
Der „Brunnen der Völkerfreundschaft“ erlebte mehrere Höhepunkte. Einer davon war das „Fest der Jugend“ im Jahre 1976 (siehe Foto) und die Protestveranstaltungen kurz vor dem Ende der DDR.

Übler Spitzname
Die Berliner verpassen in der Regel jedem Bauwerk einen Spitznamen. Während der „Funkturm“ liebevoll „Langer Lulatsch“ genannt wird, haben sie mit dem „Brunnen der Völkerfreundschaft“ ihre Probleme. Aufgrund seiner kitschigen Farbigkeit und seinem besonderen Aussehen durch bunte Fliesen, farbig emaillierte Platten und die Glaskristalle haben die Berliner den üblen Spitznamen „Nuttenbrosche“ gegeben - und „Nuttenbrosche“ steht heute unter Denkmalschutz.