Landwehrkanal und Admiralsbrücke – Natur pur und allabendliches Event

Berlin verbindet man gerne mit der Spree, vergisst aber oder kennt gar nicht den Landwehrkanal. Zu Unrecht, denn vor allem zwischen der „Kottbusser Brücke“ und dem „Halleschen Tor“ lohnt sich ein Spaziergang, der ohne Einkehr etwa eine Stunde dauert.

Anfahrt
Am besten man fährt mit der U1 bis zum „Kottbusser Tor“ und zu Fuß etwa 300 Meter den „Kottbusser Damm“ entlang bis zur „Kottbusser Brücke“. Direkt an der Brücke sieht man auf der rechten Seite einen türkisch-asiatischen-italienischen Imbiss mit wirklich gutem Essen, das man auf den Bänken direkt am Landwehrkanal verzehren kann.

Entlang am Landwehrkanal
Hier beginnt der eigentliche Spaziergang, in dem man rechts des Kanals am „Fraenkelufer“ entlang geht. Nach etwa 100 Metern erkennt man auf der rechten Seite die orthodoxe „Synagoge“, im neoklassizistischen Stil erbaut, die einst von den Nazis erheblich zerstört wurde, aber wunderschön restauriert wurde. Auf der linken Straßenseite steht eine Hinweistafel, die von der „Geschichte der Synagoge“ erzählt.

Eine sensationelle Location: die Admiralsbrücke
Dann sind es nur noch wenige Meter bis zur „Admiralsbrücke“. Man kann es nicht besser beschreiben, wie es in der Wochenzeitung „Die Zeit“ beschrieben wurde:
Kreuzbergs jüngste Attraktion ist eine bottle party, die jeden Tag von Neuem beginnt. Ab Mittag lagern die ersten auf der historischen Brücke über den Landwehrkanal und blinzeln in die Sonne. Ab drei konkurriert das Ploppen der Flaschenverschlüsse mit Gesängen zur Gitarre. Spätestens ab fünf ähnelt die Szenerie einem Massenauflauf, ab acht bringen ganze Sambaschulen den Durchgangsverkehr zum Erliegen. Noch später trifft dann alles auf alles, Turnschuhträger auf Altzausel, angeschickerte Weltboheme auf einheimische Feierabendtrinker, begleitet von einem babylonischen Sprachengewirr. Nirgends fühlt sich Kreuzberg so international an wie nachts um halb eins auf der Admiral-Brücke.

Es ist ein Phänomen, das sich da zwischen Pollern und schmiedeeisernen Geländern abspielt, ein Neuberliner Brückenwunder, das sich allabendlich wiederholt und die lokalen Deuter herausfordert. Manche sprechen von italienischen Verhältnissen.

Hier kann man den schönsten Sonnenuntergang in Berlin erleben, in einer Atmosphäre, die es so wohl nirgendwo mehr gibt. Allerdings sollte man zu diesem Event speziell anreisen, denn den Spaziergang muss man am Tage machen.

Auf dem Weg zum Urbanhafen
Man überquert die Admiralsbrücke und geht auf der linken Kanalseite weiter, und zwar am „Planufer“ entlang zum Urbanhafen. Links und rechts des Kanals sieht man Leute, die sich hier so richtig entspannen, die musizieren, lachen und trinken. Nicht selten sieht man auch Kanus, denn der Landwehrkanal ist heute nicht nur für Ausflugsschiffe gedacht, sondern auch für Freizeit-Paddler.

Geht man ein Stück am Kanal weiter entdeckt man zwei Schiffe, die schon einmal bessere Zeiten erlebt haben. Warum diese Wracks hier immer noch liegen? Wie in Berlin üblich, streitet man sich um deren Zukunft: renovieren oder abwracken! Doch schon ein kleines Stück weiter ist die Welt wieder in Ordnung – eine wunderbare Liegewiese mit Paddelvergnügen und Zeit, um die vielen Schwäne zu füttern.

Einladende Gastronomie Schiffe
Kurz darauf reihen sich Gastronomie-Schiffe aneinander. Einkehr halten in einer Umgebung, die in keinem Reiseführer steht. Es ist der richtige Platz, um sich während eines Berlin-Besuchs auch einmal so richtig zu erholen und auszuspannen.

Vom Widerstand der Kreuzberger
Auf dem Weg sieht man Müllbehälter mit Plakaten, die davor warnen, die Uferbereiche mit Nobelwohnungen für Wohlhabende zu bebauen, was bedeuten könnte, dass bestimmte Uferbereiche nicht mehr für alle zugänglich wären.

Vor etwa einem Jahr fand hier auch eine große Auseinandersetzung zum Erhalt des herrlichen Baumbestandes am Ufer statt. Viele Bäume sollten aus Sicherheitsgründen gefällt werden, doch da gingen die Kreuzberger auf die Barrikaden – und man fand zu einem Kompromiss, die Bäume blieben erhalten.

Nobel-Restaurant und Biergarten
Noch ein Stück weiter trifft man auf ein Lokal, das man hier gar nicht vermutet: „Altes Zollhaus“! Ein Nobellokal mit gepflegtem Garten in eleganter Atmosphäre und einer erstklassigen Küche.
Doch weiter geht’s, man kommt zu einem riesigen Biergarten namens „Brachvogel“, dem ein Minigolfplatz angeschlossen ist. Es bleibt jedoch festzuhalten, dass die Atmosphäre sich von Münchner Biergärten erheblich unterscheidet – nicht nur der Strandkörbe wegen.

Entlang des „Waterloo-Ufers“ zum „Halleschen Tor“
Nun ist es nicht mehr weit bis zum „Halleschen Tor“. Man überquert die „Zossener Straße“ und kommt nun zum „Waterloo-Ufer“. Auf der gegenüberliegenden Seite ist das Ufer betoniert und mit zahlreichen Graffittis verziert – echte Kunstwerke. Und schon kommt man zum U-Bahnhof „Hallesches Tor“ mit den U-Bahnen U1 und U7. Wer immer noch nicht müde ist, kann von hier aus auch noch unserer Route „Friedrichstraße“ genießen.