Auf den Kreuzberg durch die Großbeerenstraße und über den Mehringdamm zurück
Wichtig: Dieser Rundgang wurde am 5. Juli 2009, also am Sonntagmorgen, gemacht. Für Berlin-Besucher, die in Ruhe diesen Rundgang machen wollen, die ideale Tageszeit, um bei einem Brunch diesen Spaziergang zu beenden. Dann sind allerdings die Geschäfte geschlossen. Wer also shoppen möchte, sollte sich einen anderen Tag aussuchen.
Ein Rundgang auch für Rollstuhlfahrer
Die gesamte Strecke ist völlig eben und von breiten Gehwegen gesäumt. Alle Cafés und Restaurants sind für Rollstuhlfahrer hervorragend geeignet. Ausnahme natürlich der Kreuzberg. Wer aber einen tatkräftigen Helfer dabei hat, kann auch den Kreuzberg „ersteigen“, allerdings nicht bis ganz oben, da zum Denkmal selbst leider nur steile Treppen führen. Doch die Aussicht über die Stadt kann man trotzdem genießen. Rollstuhlfahrer, die mit der U-Bahn wieder zu ihrem Hotel fahren wollen, können dies bequem am U-Bahnhof Mehringdamm mit einem neuen Fahrstuhl, dessen genauer Lage wir am Schluss genauer beschreiben.
Wo der Rundgang beginnt
Dieser Spaziergang sollte von der bereits beschriebenen Stresemannstraße aus begonnen werden. Man kann den Stadtrundgang aber auch an die Stresemannstraße-Tour anhängen. Schräg gegenüber des „Restaurants SO“ beginnt die Großbeerenstraße. Links befindet sich eine kleine Kneipe, und auf der anderen Seite der kleine Ida-Wolff-Platz, der an eine der engagiertesten Frauen der Arbeiterwohlfahrt Berlins erinnert. Und noch ein Stück weiter auf der rechten Seite steht das unübersehbare Posthochhaus, und direkt gegenüber auf der linken Seite ein verlorenes Stück Berlin, die leider geschlossene Traditions-Gaststätte „Großbeeren-Keller“.
Man geht weiter in Richtung Hochbahn (U1) und auf der linken Straßenseite, direkt an der Straße Hallesches Ufer, befindet sich das Theater HAU 2 mit einem kleinen Sommergarten-Lokal. Die Preise hier sind allerdings etwas zu hoch.
Der Landwehrkanal
Nun überquert man den seit 1902 von der Hochbahn überspannten Landwehrkanal. Direkt vor der Zollmauer gelegen, wurde der Kanal in den Jahren 1845 bis 1850 nach Plänen von Peter Josef Lenne als Entlastung für die Spree gebaut. Von der Brücke kann man im Sommer die Ausflugsschiffe von oben sehen – übrigens den Passagieren winken, das ist in Berlin verpönt.
Nachdem man die Brücke überquert hat, befindet sich rechts im Eckhaus ein Massagesalon. Für sechs Euro kann man sich, völlig angezogen, 20 Minuten vollautomatisch massieren lassen (siehe http://www.syogra.com/index.php/Massageliegen/SYOGRA-Jade-Massageliege.html).
Das ehemalige Gertrauden-Hospital
Nach etwa 300 Metern kommt man auf der rechten Straßenseite zum ab 1871 gebauten ehemaligen Gertrauden-Hospital, Großbeerenstraße/Ecke Wartenburgstraße 1. Es ist ein denkmalgeschützter Backsteinbau mit mehreren Flügeln und einem parkähnlichen Vorgarten aus den 1870er Jahren. Es wurde ursprünglich um das Jahr 1406 als Hospital für mittellose kranke Bürger in Berlin-Mitte angelegt. Nach seinem Verkauf zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurde es unter Wahrung der denkmalpflegerischen Gesichtspunkte in einen unglaublich schönen Wohnpark mit 103 Eigentumswohnungen und zwei Gewerbeeinheiten umgebaut.
Tipp: Etwa nach hundert Meter rechts befindet sich eines der besten Jazz-Lokale Kreuzbergs, das „York-Schlösschen“. Sehr empfehlenswert natürlich für den späten Abend (http://www.yorckschloesschen.de/).
Riehmers Hofgarten
Bald hinter der Kreuzung Yorckstraße treffen Sie auf der linken Seite auf die Wohnanlage „Riehmers Hofgarten“. In der Nähe des Nationaldenkmals, auf ehemaligem Ackerland der Tempelhofer Bauern, erbaute Maurermeister Wilhelm Riehmer zwischen 1880 und 1899 diese Anlage für höhere Militärs und das Bürgertum. Der Einblick in die häufig für Filmaufnahmen genutzte Idylle des Hofgartens lohnt unbedingt.
Der Victoria-Park und Kreuzberger Wein
Ab 1888 wurde nach Plänen Hermann Mächtigs der nach der Frau des 99-Tage-Kaisers benannte Victoria Park angelegt. Der Wasserfall, eine Nachbildung des Zackelfalles im Riesengebirge, und die Wolfsschlucht am Osthang des Berges geben der Anlage ihren einzigartigen Reiz. Gemäß dem früheren Namen „Runder Weinberg" wird hier noch immer der „Kreuz-Neroberger" angebaut. Ein Wein, der als absolute Rarität gehandelt wird.
Das Nationaldenkmal mit grandioser Aussicht
Der Endpunkt der Großbeerenstraße wird durch den Kreuzberg und dem 1821 von Friedrich Schinkel auf der höchsten natürlichen Erhebung des damaligen Berliner Umlandes errichtetem Nationaldenkmal gesetzt. Es erinnert
an die Schlachten der Befreiungskriege - und das „Eiserne Kreuz" an seiner Spitze gibt dem Bezirk seit 1921 seinen Namen. Von hier hat man eine tolle Aussicht über die Stadt. Aber: Sind die Bäume voll mit Laub, wird die Sicht etwas eingeschränkt. Die allerbeste Aussicht hat man deshalb im Winter.
Die Kreuzbergstraße
Wer nicht auf den Berg möchte oder wer sich noch für den Aufstieg stärken will, kann dies direkt an der Ecke Großbeerenstraße/Kreuzbergstraße im kleinen Café „Vereinszimmer“ tun. Ein merkwürdiger Name mit einem meist grummeligen italienischen Wirt, der aber einen überdurchschnittlich guten Espresso serviert, wenn er Lust hat, sonst ist Selbstbedienung angesagt. Er hat auch leckere Baguettes und Kuchen.
Wichtig: Wer auf den Kreuzberg steigt, kann diesen auf der anderen Seite wieder nach unten verlassen und wird dann auf den Mehringdamm stoßen. Vom „Vereinszimmer“ aus geht man links zum Mehringdamm, wo sich bei Routen wieder treffen. Die Verlängerung der Kreuzbergstraße ist dann die Bergmannstraße, die wir aber noch besonders beschreiben.
Der Mehringdamm
Von der Kreuzbergstraße biegt man nach links zum Mehringdamm ab. Rechts hoch würde man zum ehemaligen Flughafen Tempelhof kommen und zum Luftbrücken-Denkmal, das wir auch noch besonders beschreiben werden.
Der Mehringdamm hat ein Problem: Man weiß nicht, ob man ihn auf der rechten oder linken Seite begehen soll, denn links und rechts findet man viele Läden und Einkehrmöglichkeiten.
Wir schlagen vor, direkt am Ende der Kreuzbergstraße den Mehringdamm zu überqueren und vor der Bergmannstraße nach links abzubiegen. Hier reihen sich die Lokale wie eine Perlenschnur aneinander. Und hier kann man wunderbar und sehr preisgünstig zum Brunch einkehren. Am Sonntag erkennt man aber ganz genau, welches Lokal „in“ ist. Nur in einzelnen Lokalen drängen sich die Gäste, während andere völlig leer sind.
Das „Schwule Museum“
Etwa nach 100 Metern kommt man zum „Schwulen Museum“, das unter der Schirmherrschaft von Fernsehstar Thomas Hermanns steht und auch für Heteros sehr interessant ist.
… und ein verarmter Sänger
Gleich danach kommt eine Filiale einer Bäckerei-Kette. Dort kann man immer wieder am frühen Sonntagmorgen den zwischenzeitlich total verarmten Sänger Gunter Gabriel („He Boss, ich brauch mehr Geld“) treffen.
Bezaubernde Hinterhöfe
Auch am Mehringdamm gibt es wunderbare Hinterhöfe, von denen man die meisten besichtigen kann. So zum Beispiel die „Sarottihöfe“, wo man für 6,90 Euro hervorragend brunchen kann. Im Innenhof befindet sich einer der schönsten Buchläden Berlins.
Der Mehringhof
An einigen Geschäften und Lokalen vorbei kommt man zur Gneisenaustraße. Hier lohnt sich ein kleiner Abstecher. Nach vielleicht 20 Metern, nach einem vorzüglichen Eisverkauf, geht man durch ein unglaublich verklebtes Tor hinein in den Mehringhof, Treffpunkt der alternativen Szene, aber auch hervorragender Einrichtungen wie das Mehringhof-Theater, einem Fahrradladen, einem Lokal des türkischen Arbeitervereins und dem anerkannten „Verbrecher-Verlag“! Man darf sich nicht davon abschrecken lassen, dass alle Wände voll mit Plakaten geklebt sind. Sie sind die wichtigste Informationsquelle für Theater, Konzerte, Demos und vieles mehr in Berlin. Es ist interessant, sich einmal die Plakate anzuschauen, sagen sie doch viel aus, was Berlin abseits der großen Politik und Kultur bietet.
„Curry 36“
Nun geht man wieder zum Mehringdamm zurück, geht aber auf die andere Straßenseite, wo die berühmteste Currywurst-Bude, das „Curry 36“ liegt. Sie ist Kult und soll die beste Currywurst Berlins anbieten. Und das zu sensationellen Preisen. Ob es wirklich die beste Currywurst ist, kann man ja selbst ausprobieren.
BKA-Theater
Gleich daneben das BKA-Theater, das vor allem durch sein Kabarett-Programm berühmt geworden ist – und auch durch die schrägsten Travestie-Künstler Deutschlands und der Welt (http://www.bka-theater.de/).
Noch ein Stück weiter steht eine weitere Bude. Auf den ersten Blick eine Döner-Bude wie viele, aber hier regiert der vegetarische Döner, für den manche sogar aus anderen Stadtteilen hierher kommen. Gegenüber ist ein Waschsalon, in Berlin noch immer eine unverzichtbare Einrichtung.
Finanzamt hinter dicken Mauern
Und steht man plötzlich vor einer riesigen Burg. Ja, eine richtige Burg, hinter der sich das Finanzamt Kreuzberg verschanzt. Auf der gegenüberliegenden Seite sieht man den Eingang zum Friedhof der Jerusalem-Gemeinde Berlin.
Aufzug für Rollstuhlfahrer
Für Rollstuhlfahrer, die wieder ins Hotel müssen, steht hier der Aufzug hinunter zu den U-Bahnen U7 und U6. Damit ist der Rundgang eigentlich beendet. Um aber zum Ausgangspunkt zurückzukommen, geht man einfach gerade aus weiter und kann sich an der roten Fahne auf dem Willy-Brandt-Haus orientieren.
Zum guten Schluss
Kurz vor der Stresemann gibt es eine Vermietung für Elektro-Roller, die wir auch noch näher beschreiben werden. Biegt man in die Stresemannstraße ein, liegt gleich links ein echte Berliner Kneipe namens „Frosch“. Und in der Tat, im Inneren ist alles mit Fröschen jeglicher Art vollgestopft. Wenn man weitergeht sieht man schon das Hebbeltheater – und dann ist man wieder an seinem Ausgangspunkt.
Jetzt kann man entweder mit dem Bus M41 weiterfahren oder man geht noch ein Stück weiter zum Anhalterbahnhof mit weiteren Buslinien, aber auch mit einer S-Bahn-Station.
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