Die geteilte Friedrichstraße – zwischen Brennpunkt und Glamour (Teil 1)

Kaum eine andere Straße Berlins zeigt so krass die zwei Gesichter der Hauptstadt. Und das einstige Symbol der Teilung, der „Checkpoint Charly“, ist auch heute wieder eines – nur in umgekehrter Richtung. Glanz und Gloria im ehemaligen Osten, Armuts-Kiez im einstigen Westen.

Aus diesem Grund haben auch wir die Friedrichstraße geteilt, in die mondäne Glitzerwelt vom „Checkpoint Charly“ bis zum Boulevard „Unter den Linden“ und vom „Mehringplatz“, der einstigen Flaniermeile mit dem wunderschönen Namen „Belle Alliance“. Vom „Mehringplatz“ bis zum „Checkpoint Charly“ gilt die Straße als sozialer Brennpunkt.

Ausgangspunkt „Mehringplatz“
Einen Spaziergang über die Friedrichstraße sollte man an der U-Bahn-Haltestelle „Hallesches Tor“ beginnen. Der Ausgang der U6 führt direkt auf den „Mehringplatz“, am Ausgang der U1 muss man nur, nach links gehend, die Straße überqueren.
Nun steht man auf dem Mehringplatz und sieht eine Säule, deren Engel-Aufsatz noch immer auf irgendeinem Bauhof herumliegt. Und man sieht, dass der Platz in runder Form umbaut wurde.

 

 

 

 

In diesen Bauten leben überwiegend Immigranten unterschiedlichster Nationalitäten, genau so wie wie im weiteren Verlauf der Friedrichstraße, die am „Mehringplatz“ beginnt.


 

 

Ein besonderer Wohnblock
Doch zuvor geht man auf dem „Pfad der Visionäre“, auf dem in den Boden eingelassene Zitate berühmter Menschen zu lesen sind. Und auf der linken Seite, vor dem Supermarkt „Kaisers“, entdeckt man an einem riesigen Wohnblock mit gewaltigen Porträts von Menschen aus aller Welt – beeindruckend und wohl einmalig. Zum Teil aber durch Graffiti übermalt, trotzdem unbedingt rund um den Block gehen – Fotos machen! . 
 

 

     

Park und Erinnerung
Gegenüber ist das Integrationsprojekt „Antenne“ untergebracht, deren Wandmalerei zeigt, dass hier musikalisch gearbeitet wird.
 

Nach dem Überqueren der Franz-Klühs-Straße sieht man links den Theodor-Wolff-Park, ein typisches Beispiel eines Parks in einem Problembezirk. Gleich rechts im ersten Haus befindet sich eine Bäckerei, an deren Front eine Tafel an „Lina Morgenstern“ erinnert, die hier im 19. Jahrhundert eine Suppenküche einrichtete – wieder ein symbolisches Zeichen.

 Nach etwa 200 Metern sieht man auf der rechten Seite einen wunderschönen Altbau, der an die besseren Zeiten im Kiez erinnert. Es bleibt zu hoffen, dass man dieses Gebäude restauriert und nicht abreißt. ((Bild 14))
 

Wichtige Institution: „Motz“
Nach dem Überqueren der Hedemannstraße kommt auf der linken Seite eine der wichtigen Kiez-Einrichtungen namens „Motz“. „Motz“ ist eine Hilfsorganisation für Obdachlose, die hier Gebrauchtwaren aller Art zu Spottpreisen verkauft, um Obdachlosen Hilfe geben zu können. Man sollte unbedingt in den Laden hineingehen, er ist eine witzige Mischung von Trödelmarkt und Klamottenladen. Hier kaufen nicht nur die sozial Schwachen ein, sondern auch gut betuchte Berliner, die „Motz“ unterstützen wollen.

Der Name „Motz“ wird einem in Berlin noch oft begegnen, denn an allen öffentlichen Plätzen und in U- und S-Bahnen wird eine Zeitung mit diesem Namen von Obdachlosen verkauft, die sich so einige Cent verdienen.

Günstiger kann man nirgends essen und trinken
Einige Häuser weiter, aber auf der linken Seite ist eine kleine Tafel angebracht, die daran erinnert, dass die Friedrichstraße einst auch eine Straße der schönen Künste war: das Apollo-Theater.

 

 

Dann wird es vielleicht Zeit für einen Kaffee oder einen kleinen Imbiss. Es ist für einen Besucher kaum zu glauben, wie günstig man in diesem Teil der Friedrichstraße essen und trinken kann. Die Preise liegen mehr als die Hälfte unter denen der Innenstadt – und es schmeckt trotzdem!

 

 

Historische Gebäude
Irgendwann kommt man zur U-Bahn-Station Kochstraße,  und dort sieht man auf der rechten Seite noch einen typischen Bau aus der Nazizeit, in dem heute die „Agentur für Arbeit“ untergebracht ist. Ganz oben thront noch ein mächtiger Adler, man hat nur das Hakenkreuz entfernt. Ganz in der Nähe, in einem typischen wunderbar renovierten Altbau ist das Hotel „Angleterre“ zu sehen. Man sollte auf die Details der Fassade achten.

 

 

  

Jetzt nähert man sich immer mehr dem „Checkpoint Charly“, den wir im zweiten Teil näher beschreiben. Hier endet die „arme“ Friedrichstraße – und dann beginnt die langsam die Glitzerwelt Berlins.

Allgemeines
Man sollte sich Zeit lassen und auch einmal in die Hinterhöfe und Seitenstraßen schauen und vor allem sich vom multikulturellen Leben dieses Teils der Friedrichstraße treiben lassen.
 

Zum Schluss noch ein Symbol, das zeigt, dass hier die ärmeren Gesellschaftsschichten wohnen: der wöchentliche Markt am Donnerstag und am Samstag. Billigware, Ramsch und drittklassige Qualität, aber zu absoluten Niedrigpreisen.