Spaziergang der Kontraste: Vom Kottbusser Tor durch die Dresdener Straße über den Oranienplatz zum Engelbecken
 

Es ist für einen Berlin Besucher sicherlich eine der spannendsten Spaziergänge, um in die multikulturelle, kontrastreiche Kreuzberger Welt einzutauchen. Diese Tour ist allen zu empfehlen, die Berlin einmal abseits der Touristen-Ströme kennenlernen wollen – mit einem echten Geheimtipp am Ende. Gerade die Gegend um das Kottbusser Tor gerät völlig zu Unrecht immer wieder in die negativen Schlagzeilen, obwohl es auch einer der Berliner Problem-Bezirke ist.

Der Weg am Anfang ist nicht einfach zu finden
Das Kottbusser Tor erreicht am besten mit der U1 oder der U8. Man folgt dann den Schildern in der U-Bahn-Station Richtung Adalbertstraße. Nach vielleicht 50 Metern links muss man über eine Treppe durch eine Passage gehen, und von dort aus geht es durch einen Durchgang zur Dresdener Straße. Es ist nicht ganz einfach zu finden, aber fragen Sie irgend jemanden, man wird gerne den Weg erklären. Die Menschen, die hier leben und arbeiten, sind in ihrer großen Mehrzahl sehr freundlich und hilfsbereit.
 

Galeriemeile durch großformatige Fotografien an den Häusern
Hat man die Dresdener Straße erreicht, dann lohnt sich ein Blick zurück, hoch auf den mächtigen, aber heruntergekommenen Wohnblock, wo man das erste Bild der Fotografin Ute Langkafel sieht, die in einer öffentlichen Galeriemeile Bilder der klassischen Gastarbeiter-Route - der Transitstrecke Berlin-Istanbul – zeigt. Beinahe jedes Haus wurde mit einer großformatigen Fotografie versehen, die Szenen der Transitstrecke zeigen, darauf sollte man achten.

Eine multikulturelle Straße
Die Dresdener Straße ist sehr klein, aber auch sehr typisch. Sie scheint fest in türkischer Hand, aber diesen Eindruck bekommt man nur deshalb, da viele der interessanten Läden und vor allem der Lokale von Türken betrieben werden. In Wahrheit ist die Straße ein Musterbeispiel multikulturellen Lebens, das auch tatsächlich funktioniert – meistens! Viel zu beschreiben gibt es nicht, schauen Sie sich die Bilder am Ende dieses Textes an und Sie wissen, warum man diese Straße sehen sollte. Es ist eine Straße für das Auge, die unendlich viele Überraschungen birgt.

Man sollte nicht herablassend über den Zustand der Häuser urteilen. Zwar erkennt man vielen Fassaden, dass es einmal eine reichere Gegend gewesen sein muss, aber heute können hier die Menschen leben, die nicht das Geld haben, höhere Mieten in schöneren Häusern zu bezahlen.

 

Der Oranienplatz
Wer am Ende der Dresdener Straße angekommen ist, konnte 20 der großformatigen Fotos sehen, für die türkischen Bewohner ein Stück Heimat. Dann kommt man zu einem großen Platz, dem Oranienplatz, in den auch die berühmteste Straße Kreuzbergs, die Oranienstraße mündet, die wir auch noch vorstellen werden.

„Kuchenkaiser“
Am Oranienplatz liegt ein Kreuzberger Kult-Lokal: das „Kuchenkaiser“. Hier kann man das Gesehene in der Dresdener Straße Revue passieren lassen. „Kuchenkaiser“ stimmt so natürlich nicht, denn man kann hier auch wunderbar essen oder nur einen Café trinken. Kommt man am Sonntagfrüh hierher, dann kann man sich in echter alternativer Atmosphäre unter die anderen Gäste mischen und herrlich brunchen.

Auf dem Weg zum Geheimtipp „Engelbecken“
Vom „Kuchenkaiser“ sieht man auch den wasserspeienden Brunnen und den kleinen Park in der Mitte des Oranienplatzes, wo man sich ebenfalls etwas ausruhen kann. Rechts vom Brunnen aus führt ein im Sommer dicht bewachsener Weg direkt zu einem der schönsten Plätze Berlins, zum „Engelbecken“. Was für ein Kontrast zur Dresdener Straße! Alles ist grün, um den See ist alles bepflanzt und das gesamte Areal vermittelt einen Hauch von bescheidener Vornehmheit.

Die „Sankt-Michaels-Kirche“
Und man blickt hinüber auf die 1851 erbaute „Sankt-Michaels-Kirche“, die zu den ältesten katholischen Berliner Kirchbauten zählt. Theodor Fontane bezeichnete sie in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ als Berlins schönste Kirche. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz.

Die „Sankt-Michaels-Kirche“ steht auf dem „Michaelkirchplatz“ am „Engelbecken“ und ist Teil des ehemaligen „Luisenstädtischen Kanals“. Der „Luisenstädtische Kanal“ wurde 1848 als Wasserstraße zwischen Spree und Landwehrkanal von Jospeh Lenné geplant und im Jahr 1852 für die Schifffahrt freigegeben. Nachdem der 1926 zugeschüttete Kanal, an dessen Rundbogen einst die Berliner Mauer verlief, wieder zur Grünfläche und Flanierstrecke umgewandelt wurde, bot sich aus südlicher Richtung dieser wunderbare Blick auf die „Sankt-Michaels-Kirche“.

„Café am Engelbecken“
Und davor das „Café am Engelbecken“, einer schönsten Einkehrmöglichkeiten Berlins, um sich vom Trubel der Großstadt zu erholen. Das „Café am Engelbecken“ ist ein Sonnenplatz pur. Im Sommer lädt die Terrasse mit Blick auf den See zum Träumen und Genießen ein. Im Winter darf der Besucher sogar seine Schlittschuhe mitbringen. Im Inneren des Cafés dominieren warme Braun-, Orange- und Elfenbeintöne. Bequeme Sofas und lederbezogene Barhocker lassen den Gast kaum glauben, dass er sich auf dem Grund einer ehemaligen Schifffahrtsstraße befindet.

Am Ende
Hier endet unser „Spaziergang der Kontraste“. Mit Sicherheit wird diese Tour einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Zurück zur U-Bahn kommt man entweder zur U8-Station Moritzplatz oder Heinrich-Heine-Straße.