Der Reichstag - Vom Untergang bis zur Wiederauferstehung

Nach der Wiedervereinigung, als man beschlossen hatte, den Sitz des Deutschen Bundestages nach Berlin zu verlegen, entbrannte eine Diskussion darüber, ob man den Namen „Reichstag“ beibehalten soll oder nicht. Er blieb und heißt nun seit 1999 offiziell „Reichstag - Sitz des Deutschen Bundestages“ - er ist heute das herausragendste, das bedeutendste Bauwerk Berlins, dieser alten und neuen Hauptstadt des wiedervereinigten Deutschlands.

Der „Platz der Republik“ - eine herrliche Liegewiese
Der Reichstag ist heute nicht nur ein historisches Gebäude, sondern ist auch die Kulisse vor einer riesigen Liegewiese, die eigentlich „Platz der Republik“ heißt und nur durch einige Springbrunnen unterbrochen ist. Es ist deshalb ein alltägliches Bild im Sommer: Eine bevölkerte Liegewiese und lange Schlangen von Menschen, die den Reichstag besichtigen wollen.

Angenehme Transparenz
Aber noch eines ist etwas Besonderes: Man bekommt hier einen wunderbaren Eindruck von der Transparenz und der schnörkellosen Bauweise des gesamten Regierungsviertels. Überrascht werden manche Touristen sein, wenn beispielsweise direkt vor dem Kanzleramt eine politische Demonstration oder Kundgebung stattfindet, aber es ist Alltag.

Kurze Geschichte des Reichstags
Die Geschichte des Reichstags füllt ein ganzes Geschichtsbuch. So kann eine Kurzbeschreibung immer nur aus Lücken bestehen. Einige markante Eckpunkte „im Leben“ des Reichstags sind aber unverzichtbar.

Ein Bauwerk des Kaisers
Berlin wurde im Jahre 1871 zur neuen Hauptstadt des Deutschen Kaiserreiches ernannt. Der Kaiser und seine Beamten suchten deshalb nach einem würdigen Platz für das Parlament, auf dem ein würdiges Gebäude erschaffen werden sollte.
Das Ergebnis sieht man heute noch: In der Nähe des Brandenburger Tores, wurde nach Plänen des Architekten Paul Wallot von 1884 bis 1894 der Reichstag gebaut. Doch der hatte in den Augen des Kaisers einen großen Fehler begangen: Die von ihm geplante Kuppel auf dem Reichstag war höher als die auf des Kaisers Schloss. Und noch etwas ging dem Kaiser gegen Strich: Die Inschrift am Gebäude „DEM DEUTSCHEN VOLKE“ - das ging nach Kaisers Demokratieverständnis doch zu weit. Erst im Jahre 1916 konnte diese Zeile über dem Eingang angebracht werden.

Wichtige Ereignisse
Weitere wichtige Ereignisse waren beispielsweise

  • als der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann am 9. November 1918 von einem Fenster des Reichstages die Weimarer Republik ausgerufen hatte.
  • Der Reichstagsbrand von 1933, den Hitler benutzte um das „Ermächtigungsgesetz“ durchzusetzen - es war der Beginn der totalen Machtübernahme durch die Nazis.
  • Nicht nur das Ende der Naziherrschaft, sondern auch das Ende des Zweiten Weltkriegs verkündete das Hissen der Sowjetfahne auf dem Dach des Reichstages.
  • Ein angenehmerer Höhepunkt wurde im Sommer 1995 erreicht, als der Künstler Christo den Reichstag verhüllte, ganze Heerscharen von Besuchern strömten zum Reichstag und reisten aus der ganzen Welt an.
  • Danach begann der Umbau des Reichstags nach den Plänen des britischen Architekten Sir Norman Foster - und der Reichstag bekam wieder seine im Krieg zerstörte Kuppel zurück, aus Glas, aber schöner, grandioser und vor allem begehbar.
     

Jetzt wurde der Reichstag wieder Sitz des deutschen Parlamentes, dem Bundestag.

Reichstag
Platz der Republik, 10557 Berlin
Öffnungszeiten
Täglich von 8 bis 24 Uhr, letzter Einlass um 22 Uhr!
Eintritt frei
Über Sperrungen der Kuppel informiert die Homepage des Bundestages Führungen:
nach Vereinbarung