Kanzleramt - sehenswerte Schaltzentrale der Macht

Die Geschichte schreibt oft ihre eigenen Geschichten. Dies trifft in herausragender Weise auf die Zeit zu, als der Kanzler noch Helmut Kohl hieß, dessen architektonisches Kind das heutige Kanzleramt in Berlin ist. Doch beziehen konnte er „sein“ Kanzleramt nie. An seiner Stelle zog Gerhard Schröder ein, der mit „seinem“ Kanzleramt nie richtig warm wurde. Als er seinen Amtssitz im Jahre 2001 erstmals in Augenschein nahm, sagte er seinen noch heute bekannten Satz: „Eine Nummer kleiner hätte es auch getan.“

Gewaltiges Ausmaß
Helmut Kohl setzte während seiner Amtszeit durch, dass die Sieger des Architekten-Wettbewerbs Axel Schultes und Charlotte Frank hießen. Sie entwickelten den Plan für ein 36 Meter hohes, 102 Meter breites Gebäude mit großen Fensterflächen, hinter dem sich ein 341 Meter langer Bau aus weißem Sichtbeton für die 450 Mitarbeiter anfügt. Die Gesamtfläche umfasst 12.000 Quadratmeter.
Wie bei allen anderen Bauten in Berlin auch, gingen die Meinungen über das neue Kanzleramt weit auseinander, auch über die Kosten. Der Bundesrechnungshof kritisierte die hohen Baukosten von damals noch 465 Millionen Mark.

Vom Innenleben des Kanzleramts
Die Architekten hatten vor allem ein Ziel vor Augen: Das Kanzleramt sollte auch ein Zeichen von Macht und deren politischen Inszenierungen werden. Und dies scheint gelungen, denn die breite Freitreppe im großen Foyer bietet dem jeweiligen Amtsinhaber alle Möglichkeiten für einen glanzvollen Auftritt mit seinen Gästen aus aller Welt. Das berühmte Händeschütteln der Gäste findet allerdings im Ehrenhof statt, wo die Staatsbesucher auch empfangen werden.

Die berühmten Geburtstagsessen von Angela Merkel für mehr oder weniger verdiente Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens finden in der „Skylobby“ zwischen der siebten und achten Etage statt.
Das Arbeitszimmer der Regierungschefs mit 142,5 Quadratmetern befindet sich in der siebten Etage, von wo aus man einen sensationellen Rundblick über die Hauptstadt hat. Keinem Staatsgast, der ins Kanzleramt kommt, wird dieser Ausblick vorenthalten.

Über dem Arbeitszimmer befindet sich ein kleines Appartement mit Bad, Küche und Schlafzimmer. Benutzt es der amtierende Kanzler, muss er Miete bezahlen, deren Höhe nicht bekannt ist.

Sicherheitsstandards
Ein drei Meter hoher Sicherheitszaun, der das Kanzleramt umgibt, und die Tag und Nacht patrouillierenden Beamten der Bundespolizei schützen das Gebäude. Im Inneren des Kanzleramtes befindet sich auch der „Hochsicherheitstrakt“. Der Krisenstab des Kanzleramtes tagt in einem abhörsicheren Raum, wo sich auch das speziell bewachte Lage- und Technikzentrum befindet. Doch davon sieht man selbst am jährlichen Tag der offenen Tür natürlich nichts.

Besonderheiten
Für Staatsgäste sind das zweite und dritte Stockwerk vorgesehen. Hier liegen die edelsten Weine, hier befindet sich die Küche des Kanzleramts, hier gibt es einen Kühlraum für Blumen und das Lager für die mehr oder weniger schönen Gastgeschenke, die von den Staatsgästen mitgebracht werden. Neben einigen Konferenzsälen befindet sich in der sechsten Etage auch der Raum, wo die wöchentlichen Kabinettssitzungen stattfinden.

Der Macht so nahe
Das Gebäude Kanzleramt ist aber von der Außenwelt nicht abgeschnitten. Im Gegenteil: Davor wird der Rasen im Sommer zu einer großen Liegewiese, hier spielt man Fußball oder kühlt sich an den Springbrunnen und Fontänen, die vor dem Kanzleramt in die Höhe steigen. So kommt man dem Gebäude doch sehr nahe, um schöne Fotos zu machen, oder über dessen Architektur zu diskutieren.

Auch Führungen sind möglich
Kostenlose Einzel- und Gruppenführungen (bis 25 Personen) sind durchaus möglich, allerdings erfordert dies eine Anmeldung, die man mindesten 6 Monate vor dem gewünschten Termin vornehmen sollte.
Anmeldungen direkt beim Bundeskanzleramt, Willy-Brandt-Straße 1, 10557 Berlin.