Komische Oper Berlin – viel mehr als nur ein Musiktheater (Teil 1)

 An diesem historischen Ort zwischen Behrenstraße und Unter den Linden wurde bereits seit 1764 Theater gespielt. Neben Uraufführungen von Goethe (Götz von Berlichingen, 1774) und Lessing (Nathan der Weise, 1783) wurden auch Singspiele von Hiller, André und Gluck sowie heitere Opern von Grétry, Salieri, Piccini, Paisiello aufgeführt.

Im Geiste des Gründers Walter Felsenstein
Heute hat sich die Komische Oper Berlin Anerkennung weltweit erspielt, trotz oder gerade wegen ihrer ausgefallenen Inszenierungen und dem Anspruch, auf höchstem Niveau zu arbeiten. So ganz im Sinne des großen Walter Felsenstein, an dessen Intentionen man sich auch heute noch orientiert, wenn nicht sogar pflegt.

Das Werk Felsensteins
Felsensteins Visionen eines Musiktheaters für das Volk waren: alles in deutscher Sprache und spektakulär niedrige Eintrittspreise. 1947 von ihm gegründet. Am 23. Dezember 1947 mit „Die Fledermaus“ von Johann Strauß wurde die Komische Oper eröffnet. Felsenstein erfand auch den Namen „Komische Oper“ in der Tradition der französischen „Opéra comique“ des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Aber auch inspiriert von der ersten Berliner Komischen Oper an der Weidendammer Brücke (1905 bis 1911).

Felsensteins Musiktheater wurde eine Erfolgsgeschichte, wurde Modellcharakter: konsequente Umsetzung der musikdramatischen Einheit von Musik und szenischer Interpretation. Die Ansprüche an die Darsteller waren und sind groß, sie mussten und müssen nicht nur überragende Sänger sein, sondern auch über allerbeste schauspielerische Qualitäten verfügen. Diesen Anspruch setzte Felsenstein mit heute legendären Inszenierungen um: „Das schlaue Füchslein“, „Othello“, „Hoffmanns Erzählungen“, „La Traviata“, „Ritter Blaubart“, „Der Fiedler auf dem Dach“ u.a. 1975 wurde Mozarts „Hochzeit des Figaro“ die letzte Inszenierung von Walter Felsenstein, der am 8. Oktober 1975 verstarb.

„Opernhaus des Jahres“ 2006/2007
Sein Geist prägt heute noch das gesamte Haus. Und dies mit großem Erfolg. Im Jahre 2008 wurde die Komische Oper Berlin „Opernhaus des Jahres“, Kirill Petrenko auch noch „Dirigent des Jahres“, die Chorsolisten „Chor des Jahres“ – so das Ergebnis der jährlichen Umfrage der Fachzeitschrift „Opernwelt“ für die Spielzeit 2006/07. Es war ein Ritterschlag für dieses große Opernhaus – oder ist doch eher ein Musiktheater? Eine Meinung sollte man sich selber bilden, indem man seinen nächsten Berlin-Besuch nutzt, um einen einmaligen Abend in der Komischen Oper zu verbringen.

In Deutschland einmalig: Displays den den Sitzen
Und noch etwas ganz Besonderes wird den Besuchern geboten: Zur neuen Spielzeit wurde eine neue Bestuhlung eingebaut, die mehr Beinfreiheit und Komfort bietet als bisher. Der Clou an den neuen Sesseln aber ist eine eingebaute Übersetzungsanlage, wie sie in Deutschlands Opernhäusern bis¬lang einmalig ist: Nahezu jeder Sitzplatz wird mit einem Display ausgestattet, auf dem, wenn man es wünscht, der Text mitläuft. Man kann individuell auswählen, ob man den Text in deutscher oder englischer Sprache mitverfolgen will - oder man schaltet das Display einfach aus. Eine spezielle Sichtschutzfolie verhindert, dass das Opernerlebnis durch das Display des Sitznachbarn gestört wird.

Die Spielzeiten
Und noch etwas ist neu in der Saison 2009/10: Die Vorstellungen beginnen montags bis samstags eine halbe Stunde später um 19.30 Uhr, um Berufstätigen den Besuch zu erleichtern. Die Abendvorstellungen an Sonn- und Feiertagen beginnen nach wie vor um 19.00 Uhr. Außerdem finden unter dem Motto „Fünf um vier“ in der „dunklen“ Jahreszeit fünf Vorstellungen an Sonn¬tagen bereits um 16.00 Uhr an.

 Ein spannender Blick hinter die Kulissen
Genauso spannend wie die Inszenierungen, sind Führungen hinter und unter die Kulissen der Komischen Oper. Und die Qualität des gesamten Hauses setzt sich durch Yvonne Trawny und ihre Führungen fort. Unkompliziert, kompetent und mit großem Hintergrundwissen führt sie ihre Besuchergruppen in die Geheimnisse eines großen Opernhauses ein: angefangen mit einer umfassenden geschichtlichen Darstellung, spannend vorgetragen und so kompetent, dass die Besucher kaum noch Fragen stellen müssen.

Der Rundgang
Vom ersten Stockwerk mit Felsensteins Büste, hinein in den großen neobarocken großen Saal mit seinem imposanten 2-Tonnen-Leuchter, der an sieben Stahlseilen befestigt ist, an den Decken zahlreiche Putten mit allerlei  Geschnörkel und mit Gold bemalt. Das Deckengemälde fehlt, es fiel einem Blindgänger im Zweiten Weltkrieg zum Opfer, ansonsten blieb wie durch ein Wunder der Saal unzerstört, während andere Bereiche hart getroffen wurden. Die Details des Wiederaufbaus - Yvonne Trawny macht sie für ihre Besucher zu einer Zeitreise, auch zu einem Teil in die jüngere Geschichte Berlins.

Und der Besucher erfährt, weshalb die Komische Oper Berlin außen so gewöhnlich scheint, der Zuschauersaal und das Foyer im Inneren aber im neobarocken Stil gestaltet ist, wie man die Bühne zum Drehen bringt und wie viele Menschen an einer Opern- oder Konzertaufführung beteiligt sind.
Hinter der Bühne erkennt man den täglichen Wahnsinn des Bühnenaufbaus. Nur wenige Stunden bevor sich der Vorhang hebt, sieht es eigentlich aus, als würde die Kulisse niemals fertig werden. Doch sie wird, da ist sich auch Yvonne Trawny sicher, die jedes wichtige Detail erklärt und beim Blick auf die 22 Meter hohe Decke das Geheimnis verschwindender Kulissen und Darsteller lüftet. Kaum vorstellbar, dass man manchmal zwei Mal am Tag eine völlig neues Bühnenbild aufbaut. Yvonne Trawny ist sichtlich stolz auf die Arbeit der Bühnenarbeiter – zurecht.

Der Bühne selbst folgt ein Gang in ihre Unterwelt mit der gewaltigen Hydraulik, den Dreheinrichtungen und vielem mehr. Später steht selbst noch eine Künstler-Garderobe steht noch auf dem Programm.
Viel mehr soll auch nicht verraten werden. Einen Berlin-Besuch mit einer Inszenierung der Komischen Oper zu verbinden ist alleine schon ein unvergesslicher Abend, aber eine Führung von einer Stunde und 15 Minuten mit Yvonne Trawny rundet das „Erlebnis Komische Oper“ faszinierend ab.
18. | 24. | 25. | 30. | 31. Oktober - 07. | 13. | 14. | 21. | 28. November - 05. | 12. | 19. | 20. | 29. Dezember - 09. | 10. | 17. | 22. | 24. | 29. | 30. Januar - 06. | 07. | 14. | 19. | 27. Februar - 12. | 27. März - 03. | 09. | 16. |

Anmeldungen unter Telefon 030/47 99 74 00. Wenn Sie für einen besonderen Anlass mit Familie eine Führung maßgeschneidert auf Ihre Interessen und Ansprüche buchen möchten, wenden Sie sich bitte an: Komische Oper Berlin, Yvonne Trawny, Behrenstraße 55-57, 10117 Berlin, Telefon 030/20 26 02 23.

Hinweis
In Kürze werden wir Ihnen nicht nur die unglaublich Geschichte der Komischen Oper detaillierter vor Augen führen, sondern auch auf die vielen Berufe vor und hinter der Bühne eingehen. In unseren Berlin-News werden Sie ständig mit dem aktuellen Programm der Komischen Oper auf dem Laufenden gehalten.

Premierenvorschau: Familienoper „Die rote Zora“
Besondere Aufmerksamkeit werden wir auf die Neu-Inszenierung der Familienoper „Die rote Zora“ von Elisabeth Naske (ab 8 Jahren) legen, über deren Produktion wir berichten werden. Am 29. Oktober werden Sie bereits erste Bilder in den Berlin-News finden. Die Premiere „Die rote Zora“ findet am Sonntag, 1. November 2009 um 16 Uhr in der Komischen Oper statt. Weitere Aufführungen: 01. | 08. | 15. | 20. | 25. November und 03. | 07. | 08. | 14. | 15. | 26. Dezember. Die Uhrzeiten findet man auf der Seite „www.Komische-Oper-Berlin.de.
Eintrittspreise: Normalpreis 18 Euro, Kinder bis 16 Jahren 8 Euro.