Schloss Charlottenburg - Prachtbau, Prachtgarten und große Künste

In der Öffentlichkeit stand in den letzten Wochen - und steht immer noch - das „Schloss Bellevue“, der Amtssitz des Bundespräsidenten. Es ist ein Schloss, das für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist, doch dafür hat Berlin das „Schloss Charlottenburg“ - ein Prachtbau der im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört wurde und dann wieder in alter Pracht neu errichtet wurde.

Heute gehört „Schloss Charlottenburg“ zur renommierten „Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg“ und zählt zu den historisch absolut schönsten Bauwerke der Hauptstadt.

Kurze Geschichte
Erbaut wurde es einst als „Schloss Lietzenburg“ in den Jahren 1696 bis 1699 und sollte der Sommersitz für Sophie Charlotte, die Gemahlin des Kurfürsten Friedrich III werden. Dann wurde er 1701 zum König von Preußen gekrönt und beauftragte aus diesem Anlass den schwedischen Barockbaumeister Eosander mit dem Ausbau zur Dreiflügelanlage. Vier Jahre später, im Jahre 1705, verstarb Sophie Charlotte, und zu ihrem Gedenken ließ der König „Schloss Lietzenburg“ in „Schloss Charlottenburg“ umbenennen.

Schloss und Garten lagen viele Jahre im Dornröschenschlaf, bis Sophie Charlottes Enkel, Friedrich der Große, der später als der „Alte Fritz“ in die Geschichtsbücher einging, 1740 die Anlage um einen neuen Flügel erweitern ließ. Doch schon sieben Jahre später verlegte er seinen Sitz nach Potsdam ins „Schloss Sanssouci“. Das „Schloss Charlottenburg“ geriet bis 1810 in Vergessenheit, bis Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. hier ein Mausoleum für seine verstorbene Gattin Luise errichten ließ, dieses wurde nach dem Tod Kaiser Wilhelms I. und seiner Gemahlin Augusta erweitert, um 1894 deren Marmorsarkophage aufzunehmen.

Gegen Ende des Ersten Weltkrieges nutzte man den östlichen Flügel als Lazarett. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss weitgehend zerstört und bis in die 1950er Jahre nach alten Plänen rekonstruiert. Die Große Orangerie - nach barockem Vorbild wieder aufgebaut - wird seither als Festsaal genutzt. Während der Renovierung von „Schloss Bellevue“ war Schloss Charlottenburg von 2004 bis 2006 Amtssitz des Bundespräsidenten. Der Neue Pavillon wird derzeit restauriert, seine Wiedereröffnung ist für November 2011 geplant.

Der Garten ein Gesamtkunstwerk
Der berühmte Gartenarchitekt Siméon Godeau schuf am „Charlottenburger Schloss“ den ersten französischen Barockgarten Deutschlands, der 1705 um eine Orangerie und einen Fasanengarten erweitert wurde. Doch dann kam der legendäre Landschaftsgärtner Preußens, Peter Joseph Lenné, der den 55 Hektar großen Schlosspark radikal umgestaltete. Nach dem Vorbild eines klassischen englischen Landschaftsgartens legte er Sichtschneisen an, um die Gebäude besser zur Geltung zu bringen. Dabei arbeitete Lenné eng mit dem Architekten Karl Friedrich Schinkel zusammen, der 1824 den Neuen Pavillon errichtete.

Sammlungen in prächtigen Räumen
Alle herrlich renovierten Räume sind für Besucher geöffnet. Viele kommen ins „Schloss Charlottenburg“, um die größte Sammlung französischer Malerei des 18. Jahrhunderts außerhalb Frankreichs oder die Meisterwerke der Romantik und des Biedermeier zu bestaunen - neben Gemälden auch Skulpturen, Möbel und vor allem Porzellan.
Wer sich für das „Weiße Gold“ begeistert, sollte unbedingt das „Belvedere“ im Schlossgarten besichtigen. Dieser Aussichtspavillon beherbergt die Sammlung der Berliner „Königlichen Porzellan-Manufaktur“. In drei Abteilungen werden Tee- und Kaffeegeschirr, Tafelservice und Dekorationsobjekte gezeigt.

Schloss Charlottenburg
Spandauer Damm 10-22, 14059 Berlin
Öffnungszeiten
1. April bis 31. Oktober: Dienstag bis Sonntag 10-18 Uhr
1. November bis 31. März: Dienstag bis Sonntag 10-17 Uhr
Eintrittspreise
Altes Schloss: 10 Euro, ermäßigt 7 Euro; Neuer Flügel: 6 Euro, ermäßigt 5 Euro.
Anfahrt
Bus: 109, 309, M45, Haltestelle Schloss Charlottenburg/Luisenplatz