Holocaust Denkmal

An einem der exponiertesten Plätze Berlins, zwischen Brandenburger Tor und Potsdamer Platz, wurde auf einer riesigen Brachfläche das Denkmal für die ermordeten Juden Europas, das Holocaust-Denkmal errichtet, das am 10. Mai 2005 eingeweiht wurde und seitdem praktisch von jedem Berlin-Besucher besichtigt wird. Das Denkmal gehört laut „Berlin Tourismus Marketing“ zu den „Top Ten“ Berlins.

Zum Verständnis
Als Holocaust oder Schoah bezeichnet man die Verfolgung und Ermordung von 5,6 bis 6,3 Millionen Menschen, die von den Nazis als Juden abgestempelt wurden. Die Nazis bezeichneten auch Roma und Sinti als „minderwertige Fremdrasse“, auch von ihnen wurden Hunderttausende systematisch ermordet, weshalb ihre Verfolgung und Ermordung in den Begriff Holocaust eingeschlossen ist. Das Holocaust-Denkmal jedoch ist ausschließlich für die ermordeten Juden gebaut worden. Die Sinti und Roma sollen in der Nähe des Reichstags ein eigenes Denkmal erhalten. Über die Entwürfe wird zur Zeit noch gestritten.

Geschichte und Konzeption
Die Journalistin Lea Rosh und der Historiker Eberhard Jäckel gründeten einst einen Förderkreis mit dem Ziel, in Berlin ein Denkmal für Millionen ermordeter Juden als sichtbares Schuldbekenntnis zu errichten. 1988 ging man mit diesem Vorschlag an die Öffentlichkeit, sammelte Spendengelder und Unterschriften. In der Öffentlichkeit und in der Politik wurde darüber heftig gestritten, der Streit ging auch quer durch alle politischen Parteien.
Kritiker sahen 60 Jahre nach Kriegsende keine Notwendigkeit mehr für einen solchen Ort der Erinnerung. Andere fragten zurecht, warum man kein gemeinsames Denkmal für alle Opfer des Nationalsozialismus plane. Erst nach elf Jahren, 1999, beendete der Bundestag mit seiner Zustimmung das Ende der langen Debatte. 2003 war endlich Baubeginn, denn zuvor wurde wiederum heftigst gestritten, dieses Mal über die Entwürfe. Spätestens bei der feierlichen Eröffnung am 10. Mai 2005 verstummten die Kritiker. Das Holocaust-Denkmal zieht die Menschen magisch an, und für jede Schulklasse auf Klassenfahrt ist es ein Pflichtbesuch. Bisher heute (Juni 2010) besuchten mehr als 8,5 Millionen Besucher aus aller Welt die Gedenkstätte im Herzen Berlins. Eines sollte man nicht vergessen: Gegenüber des Stelenfelds befindet sich seit dem 27. Mai 2008 das Denkmal für die homosexuellen Opfer des NS-Regimes.

Das Stelenfeld
Der Entwurf des Amerikaners Peter Eisenmann war ebenfalls umstritten. Kritikern antwortete Eisenmann, seine Absicht sei eine ganz neue Idee der Erinnerung zu schaffen. In diesem Denkmal gäbe es bewusst „kein Ziel, kein Ende, keinen Weg hinein oder heraus“ (Originalzitat). Das 19.000 Quadratmeter große Stelenfeld ist Tag und Nacht frei zugänglich. Es besteht aus 2711 grauen Betonstelen. Der Architekt verneint jede symbolische Bedeutung der Anzahl. Die Stelen haben sich als nicht besonders wetterfest erwiesen. Nun sucht man nach Möglichkeiten, sie zu restaurieren, um sie gegen alle Wettereinflüsse zu schützen. So wird die Gedenkstätte wohl bald zu einer Baustelle werden.

Ein Streit ist jedoch noch heute in vollem Gange: Die Stelen werden von Besuchern als Ruhe- und sogar als Picknickplatz oder Sonnenliegen benutzt, und selbst Versteckspielen gehört zu Tagesordnung. Ein Denkmal wird mit Leben erfüllt - das ist Berlin.

Ort der Information
Der unterirdische „Ort der Information“ beleuchtet in vier verschiedenen Räumen das leidvolle Schicksal der ermordeten Juden. Ziel ist, neben der Vermittlung historischer Fakten, die einzelnen Opfer in den Mittelpunkt zu rücken. Das Informationszentrum versteht sich als Begegnungsstätte unter dem Motto: „Geschichte ist ein fortgesetzter Dialog, der die Welt von heute mit jener von gestern und der von morgen verbindet.“ Die Teilnahme an Führungen ist nach Voranmeldung möglich. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.

Raum der Namen
Der Förderkreis will langfristig möglichst alle Namen der ermordeten Juden sammeln. Dieses Mammutprojekt ist mit finanziellen Mitteln aus der bundeseigenen Stiftung nicht zu realisieren. 3,2 Millionen Namen und Lebensläufe stellte bereits die israelische Gedenkstätte „Yad Vashem“ zu Verfügung. Archivierung und Präsentation sind zeit- und kostenaufwändig.

Jubiläum und weitere Projekte
Anlässlich des fünfjährigen Jubiläums gab es am 5. Mai 2010 eine öffentliche Diskussionsrunde mit Architekt Eisenmann und Initiatorin Lea Rosh.
Mit dem Bau des Mahnmals für die von den Nazis verfolgten Sinti und Roma wurde 2008 begonnen. Aufgrund von technischen Schwierigkeiten verzögert sich die Fertigstellung.

Virtuelles Konzert als App
Seit dem Sommer 2013 gibt es ein besonderes Erlebnis im Denkmal. Nach fünf Jahren erklingt im Stelenfeld des Holocaust Denkmals wieder das extra für diesen Ort komponierte Konzert „Vor dem Verstummen“ von Harald Weiss. Im Jahr 2008 bei der Uraufführung zum dritten Jahrestag der Einweihung des Denkmals spielten 24 Musiker verteilt im gesamten Stelenfeld. Das Konzert konnte wegen des enormen Aufwandes nur ein einziges Mal live aufgeführt werden.

Seit 2013 ist es über eine Smartphone-App reproduzierbar. Sobald der Besucher die App im Holocaust Denkmal startet, erkennt sie die Position des Hörers und verändert je nach Standort, Bewegung und Ausrichtung die Intensität der Musikinstrumente und damit den Sound Musikstücks. Es entsteht ein besonderes Konzerterlebnis - virtuell und mit individuellen Höreindrücken. Das „Virtuelle Konzert“ ist eine neue Form der Erinnerungskultur. Es ergänzt das Denkmal und wendet sich mit zeitgemäßer Technologie  besonders an die junge und zukünftige Generation, sich auf neue Art und Weise mit dem Nationalsozialismus auseinanderzusetzen. Mehr dazu auf: http://virtuelleskonzert.com

Denkmal für die ermordeten Juden Europas / Holocaust-Denkmal
Cora-Berliner-Straße 1, 10117 Berlin / Zugang über das Stelenfeld von der Ebertstraße aus.
Öffnungszeiten
Ort der Information - April bis September: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 20 Uhr (Letzter Einlass 19.15 Uhr) - Oktober bis März: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 19 Uhr (Letzter Einlass 18.15 Uhr). Das Stelenfeld ist Tag und Nacht geöffnet.

Empfehlenswert:
kostenlose Führungen:
Samstag 15 Uhr (Englisch)
Sonntag 15 Uhr (Deutsch)

Eintritt frei
Anfahrt
U- und S-Bahn: Bahnhöfe Potsdamer Platz bzw. Brandenburger Tor