Hamburger Bahnhof Berlin: Grandioses Museum für Gegenwartskunst

Es scheint, als wäre der Hamburger Bahnhof eine Trutzburg der modernen Kunst. Es ist nicht viel, was noch an einen Bahnhof erinnert. Wer diesen Bau nicht kennt, wird rätseln, was sich hinter seinen dicken Mauern verbirgt und wird überrascht sein, dass hier eines der bedeutendsten Museen Berlins beheimatet ist.

Kurze Geschichte
Als 1841 der Staatsvertrag zum Bau einer Eisenbahnlinie zwischen den Berlin und Hamburg unterzeichnet wurde, dachte niemand daran, dass der Bau eines neuen Bahnhofs eine unvorstellbare Fehlplanung war. Im Jahre 1884, lediglich 37 Jahre nach seiner Eröffnung, wurde der Bahnhof bereits wieder stillgelegt. Und dies, obwohl man einen hervorragenden Standort gefunden hatte, denn gleichzeitig wurde der Spandauer Schifffahrtskanal und der Humboldthafen gebaut, um Schiene und Schifffahrt zu vernetzen.

Die Erweiterungsbauten
Eingerahmt von zwei Türmen galt die Fassade im neoklassizistischen Stil als architektonisches Meisterwerk. Als einer der ersten Kopfbahnhöfe schrieb man mit diesem Bau Eisenbahngeschichte. Im Jahre 1906 zog das „Königliche Bau- und Verkehrsmuseum“ in die imposante Eingangshalle. Zwischen 1909 und 1916 errichtete man zwei zusätzliche Flügel. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude schwer beschädigt.

Neustart im Jahre 1987
Nach der Sanierung fanden ab 1987 die ersten Kunstausstellungen im Hamburger Bahnhof statt. Im Laufe der umfangreichen Renovierung zwischen 1990 und 1996 wurde der Ostflügel zur „Grande Galerie“ erweitert und nannte sie nach ihrem Architekten „Kleihues“-Halle. 2004 wurde der benachbarte Lehrter Güterbahnhof umgebaut und als „Rieckhallen“ dem Museum angegliedert.

Highlight bei Nacht
Ein weithin sichtbares Wahrzeichen entwarf der amerikanische Lichtkünstler Dan Flavin: Seine Lichtinstallation taucht Hauptfassade und Ehrenhofflügel in unglaubliches blau-grünes Neonlicht. Es lohnt sich deshalb auch, dem Hamburger Bahnhof nach Einbruch der Dunkelheit einen Besuch abzustatten.

Sarah Wieners Restaurant
Vielleicht verbunden mit einem Abendessen im Restaurant der Fernsehköchin Sarah Wiener, die dem Hamburger Bahnhof ein kulinarisches i-Tüpfelchen aufsetzt. Sarah Wiener schuf einen Raum zum Wohlfühlen, der mittlerweile zu einer Symbiose von Kunst und Kulinarik geworden ist.

Wiedereröffnung auf 13.000 Quadratmetern
Als Zweigstelle der Nationalgalerie trat der Hamburger Bahnhof die Nachfolge des Kronprinzen-Palais an. Dort wurde zwischen 1919 und 1937 die „Kunst der Lebenden“ gezeigt. In Fortführung dieser durch die Nationalsozialisten unterbrochenen Tradition legte sich das Museum nach 1960 bewusst auf die Ausstellung zeitgenössischer Kunst fest.
Im November 1996 feierte man die Wiedereröffnung mit einer spektakulären Ausstellung. Gezeigt wurden Werke von Joseph Beuys, Andy Warhol und Roy Lichtenstein, die das Museum als Dauerleihgabe vom Sammler Erich Marx erhielt. Nach den Erweiterungen in den Jahren 2002 und 2004 präsentiert man heute auf insgesamt 13.000 Quadratmetern nicht nur Bilder, sondern auch Videokunst der 1970er Jahre und komplette Rauminstallationen, wie die von Bill Viola und Rebecca Horn.

„Friedrich Christian Flick Collection“
In den Rieckhallen residieren für vorerst sieben Jahre die mehr als 2000 Werke der „Friedrich Christian Flick Collection“. Wie bei der Überlassung vereinbart, werden diese Arbeiten zeitgenössischer Künstler aus Europa und den USA in jährlichen Wechselausstellungen präsentiert.

Hamburger Bahnhof
Invalidenstraße 50-51, 10557 Berlin / Nähe Hauptbahnhof
Öffnungszeiten
Dienstag bis Freitag 10-18 Uhr, Samstag 11-20 Uhr, Sonntag 11-18 Uhr Eintrittspreise
12 Euro, ermäßigt 6 Euro
Anfahrt
S-Bahn: Linien S3, S5, S7, S75, Haltestelle Hauptbahnhof:
U-Bahn: Linie U55, Haltestelle Hauptbahnhof