Das „Deutsche Currywurst-Museum“

Eingang zum Currywurst MuseumMan fragt sich nicht ohne Grund, warum hat man um die fünf Millionen Euro in ein Projekt gesteckt hat, das sich auf den ersten Blick keineswegs erschließt. Es stellt sich die Frage: Hat die Curry-Wurst eine solche Investition überhaupt verdient?

„Kult-Snack“ und Herta
Darüber kann man sicherlich streiten, aber Tatsache ist nun einmal, das es ein Currywurst Museum gibt, ein Museum, dessen Daseinsberechtigung eigentlich nur darin besteht, dass gerade Berlin ein Hotspot des Currywurst-Verzehrs ist. Und deshalb bezeichnet die Museumsleitung die Currywurst als Berliner „Kultsnack“, der nicht unumstritten in Berlin erfunden sein soll und natürlich von einer Berlinerin namens Herta Heuwer, die am Stuttgarter Platz erstmals den Berlinern eine Currywurst präsentierte. Und Herta Heuwer ist ein nicht unerheblicher Teil des Museums gewidmet, auch als Teil der Begründung, warum man dieses Museum in Berlin einrichtete.

Inhalte mit Fragezeichen
Doch beim Rundgang durch das 600-Quadratmeter-Museum kann man sich des Eindrucks nicht verschließen, dass es mühsam war, das Currywurst Museum Berlin zu füllen. Wesentliche Teile des Museums könnten nahtlos in einem Volkshochschulkurs in Gewürzkunde gute Dienste leisten: Das Erschnüffeln von einzelnen Gewürzen hat zumindest einen Unterhaltungswert. Um den Besuch des Museums nicht zu kurz werden zu lassen, hatte man die glorreiche Idee, den Besuchern Filme zu präsentieren, die mehr oder weniger einen Bezug zur Currywurst haben.

Sämtliche Dimensionen der Currywurst wolle sie beleuchten, sagte Museums-Leiterin Birgit Breloh, ob ihr das gelungen ist, muss jeder Besucher selbst beurteilen. Leider fehlt zur Zeit noch die Dimension des Verkostens, ohne die ein solch spezialisiertes Museum gar nicht auskommen kann.

Was gibt es eigentlich zu sehen

  • Auf einem Berliner Stadtplan stecken Gäbelchen, die subjektiv gesehen jede ernst zu nehmende Currystation der Stadt markieren.
  • Herta Heuwer ist eine eigene Kabine gewidmet, in der ein altgedienter Herd und ein nostalgischer  Fernseher steht, der ihre diversen Fernsehauftritte, zum Beispiel bei Harald Schmidt, zeigt. 
  • Dem Pappteller, in der die Currywurst badet, wurde gleich eine eigene Abteilung gewidmet, Referenz an den Produzenten, der das Museum großzügig unterstützt.

Die Schwächen und Stärken
Dass man Probleme hatte, das Museum themengerecht zu füllen, lassen auch vier Kühlschränke vermuten, hinter deren Türen die Geschichte des Fast-food etwas oberflächlich, aber durchaus witzig dargestellt wird – doch weitab vom Thema Currywurst.

Näher kommt hier schon das interaktive Zubereiten einer Currywurst, sicher eines der Highlights der Ausstellung, vielleicht noch das kleine Kino in dem die 20 Minuten lange wunderbare Dokumentation „Best of the Wurst“ von Grace Lee gezeigt wird.

Gesalzene Eintrittspreise
Und zum Schluss stellt sich die Frage, ob die Eintrittspreise, also das Preis-Leistungs-Verhältnis, stimmt. Die Preise sind gesalzen: Erwachsene müssen elf Euro zahlen, Kinder über sechs Jahren immer noch sieben. Das wird sicherlich manche Interessierte von einem Besuch abhalten.

Trotzdem: Wem die Eintrittspreise nicht zu hoch sind, kann sich eine nette Stunde rund um die Currywurst gönnen – mehr aber nicht!

Details
Deutsches Currywurst Museum Berlin
, Schützenstraße 70 (Nähe Checkpoint Charly), Öffnungszeiten: täglich von 10 bis 22 Uhr, www.currywurstmuseum.de