Mit Astrid Kessler rund um den Helmholtzplatz

Das Wetter in Berlin ist immer besser, als die Vorhersagen. Und im Juli 2009 war wieder so ein Tag, der alle Prognosen Lügen strafte. Astrid Kessler meinte, es sei der ideale Tag, um ihren Kiez rund um den Helmholtzplatz zu entdecken. Also einer der Plätze in Prenzlauer Berg, der sich seit der Wende eine völlig neue Anwohner-Struktur gegeben hat oder die ihm aufgedrängt wurde – darüber wird heftigst diskutiert.
 

Die Anfahrt
Astrid Kessler empfiehlt, mit der Straßenbahn, der M2, vom Alexanderplatz bis zur Haltestelle „Fröbelstraße“ zu fahren, denn gleich gegenüber der Haltestelle beginnt die winzige Hiddenseer Straße – ein ausgezeichneter Einstieg in die bunte Welt rund um den Helmholtzplatz.

Hiddenseer Straße
Gleich links ein Laden mit gebrauchten Waschmaschinen, Ende der Flut von Billigläden rund um die Prenzlauer Allee. Zwei Häuser weiter sieht man wunderschöne Sonnenblumen-Malereien am Sockel eines typischen Alt-Berliner Hauses. Astrid erklärt, dass der Hausbesitzer diese „Lüftl-Malereien“ in Auftrag gegeben hat, um Schmierereien, die immer noch einige als Kunst-Grafittis bezeichnen, zu verhindern. Und wie man sieht, mit großem Erfolg, denn an den anderen Häusern wurde wie wild gesprüht.Man sieht links und rechts der Straße wunderschön restaurierte Häuser, aber dazwischen immer noch einige, denen etwas Farbe gut tun würde.

Doch diesen schönen Hausmalereien nicht genug. Auf der rechten Straßenseite hat man zwischen die Häuser einen Spielplatz gebaut, der ebenfalls wunderschön zu seinen beiden Seiten bemalt ist.

Senefelderstraße und das „Jacques Offenbach“
Dann hat man die Hiddenseer Straße bereits durchquert und trifft nun auf die Senefelderstraße, an der man nach links abbiegt. Und weiter auf der linken Seite bekommt Astrid Kessler leuchtende Augen, denn unter und hinter den blauen Markisen befindet sich eines ihrer Lieblings-Lokale, das „Jacques Offenbach“ an der Ecke Stubbenkammerstraße.

Nicht nur der spannenden Speisekarte wegen, sondern überhaupt das Flair und die Gäste-Konstellation. Hier trifft man auch die Promis, die irgendwo in der Nähe wohnen – und Astrid Kessler gehört nun einmal dazu, auch wenn sie leicht lächelnd den Kopf schüttelt.

Über die Raumerstraße zum Helmholtzplatz
Am „Jacques“ sollte man die Straßenseite wechseln, man muss an der Raumerstraße rechts abbiegen – und dann sind es nur noch einige wenige Meter bis zum Helmholtzplatz, an dem die Dunckerstraße vorbeiführt und der auf den ersten Blick aussieht, als würde ihm der Besuch einer ganzen Gärtner-Brigade gut tun.

Kinder, Kinder, Kinder
Doch dieser Eindruck täuscht, denn in seinem Inneren bestätigt sich das, was einem überhaupt auffällt: Kinder, Kinder, Kinder! Als wäre hier, mitten auf dem Platz, der Klapperstorch zuhause, der nur durch Überstunden alle Kinderwünsche erfüllen kann. Was heißt, der Helmholtzplatz scheint die erogene Zone des Prenzlauer Bergs zu sein oder dessen Zentrum für grenzenlose Fruchtbarkeit.

Über die Dunckerstraße und Lettestraße zur Schliemannstraße
An der Dunckerstraße biegt man rechts ab. Um gleich nach einigen Metern links in die Lettestraße einzubiegen, eine Straße mit netten Cafés und kleinen Läden. Man sollte sich Zeit lassen, um die Häuser und die Atmosphäre zu genießen.

Unglaublich: das „Filmcafé“
Für einen kleinen Zwischenstopp zieht es Astrid Kessler in ein außergewöhnliches Lokal: das Filmcafé. Es liegt einige Meter vom Helmholtzplatz entfernt in der Schliemannstraße, die von der Lettestraße abzweigt. Auf der rechten Seite auf den blauen Markisen kann man es lesen: Filmcafé „Bar, Kino, Küche“. Im Inneren herrscht gedämpftes Licht in warmen Farben, doch Astrid Kessler sitzt trotz dieser Wohlfühl-Atmosphäre lieber vor dem Lokal, um die Sonne genießen, obwohl die Sitzgelegenheiten unglaublich hart sind, während im Inneren feinstes Polster-Mobiliar den Gästen komfortables Sitzen ermöglicht.

Kino im „Untergrund“
Genauso so wie das im Keller befindliche kleine Kino, das schon seines Ambientes wegen etwas ganz Besonderes ist. Dieses Kino zu beschreiben wird ihm mit Sicherheit nicht gerecht. Deshalb sollte man sich auf http://dasfilmcafe.dagmar.at/fotos.html das Kino inkl. Foyer in einer 360°-Rundumschau anschauen.

Die Eintrittspreise ins Kino sind sehr günstig: 4,50 Euro, ermäßigt 4 Euro und ein Kinderfilm nur 3 Euro. Und ab Ende August gibt es wieder das erfolgreiche Projekt „Eat-the-Movie-Filmfrühstück“: Film und Frühstück, inkl. Prosecco, für nur 9,90 Euro. Adresse: Schliemannstraße 15, 10437 Berlin.

„Wohnen im Glashaus“ in der Lychener Straße
Astrid Kessler zieht es aber wieder zurück zur Lettestraße, wo man rechts abbiegt. Dann steht man vor einem der spektakulärsten Häuser in Berlin,  Lychener Straße, überhaupt: Wohnen im Glashaus! Herrlich wie sich in diesem Haus die alten Häuser spiegeln. Über dieses Projekt werden wir noch gesondert berichten, denn es hat in Berlin Maßstäbe gesetzt.

Der Helmholtzplatz
Dann biegt man links ab und geht am Helmholtzplatz vorbei, wo man wieder auf die Raumerstraße stößt, um links abzubiegen. Auf der rechten Seite gibt es einige kleine Läden und Lokale, links aber kommt man zum Eingang in das Innere des kleinen Helmholtz-Parks. Hier ist der Treffpunkt von Müttern und Vätern mit ihren Kindern. Hier steppt der Bär. Bunt bemalte kleine Häuser, in den spezielle Programme für Kinder angeboten werden. Der Helmholtzplatz ist die einzig größere Grünfläche im Kiez. Er ist Spielplatz für die Kinder, Liegewiese für Sonnenhungrige und auch Treffpunkt der Anwohner. Ein tolles Ambiente mitten in den Häuserschluchten.

„eicie“ - digitaler Stoffdruck“ - überwältigende Fotografien auf Stoff
Astrid Kessler hat aber noch einen weiteren Trumpf in der Hinterhand. Um dahin zu kommen, muss man an der Dunckerstraße rechts abbiegen und auf die linke Straßenseite gehen. Nach vielleicht 50 Metern kommt man an ein Ladengeschäft, dass mit Sicherheit jeden Besucher begeistern wird: „eicie“ - digitaler Stoffdruck“. Die Dunckerstraße 3 ist das Highlight dieses Rundgangs um den Helmholtzplatz. Welch ein kreativer öffentlicher Raum, der sensationelle Stoffdrucke zeigt. Berliner und andere Motive, auf Stoff bedruckt und auf hochwertige Holzkeilrahmen gespannt – in kleinsten Ausführungen (20x20 cm) bis hin zu riesigen Drucken (150x200 cm), in leuchtenden Farben und spitzenmäßiger Qualität.

Astrid Kessler hat sich auf Anhieb in einen riesigen bedruckten Vorhang verliebt, der mit seinem Waldmotiv jeden Besucher begeistern wird. Man könnte sich stundenlang bei „eicie“ aufhalten und sich in die vielen Kunstwerke vertiefen, die einer Wohnung, einem Büro oder Eingangshallen von Unternehmen ein außergewöhnliches Ambiente verleihen. Auch „eicie“ werden wir noch gesondert vorstellen.

Das „Eislabor“
Zum Abschluss des Rundgangs hat Astrid Kessler noch einen kulinarischen Tipp in der Raumerstraße 32: die Eisdiele „Eislabor“. Dieses erstklassige Eis genießt man vorzugsweise auf der Bank vor dem Haus, nachdem man von den Besitzern unglaublich freundlich bedient und beraten wurde. Wer eine Kugel diesen Spitzeneises bestellt, bekommt eine Portion, die der von zwei Portionen in der Berliner Innenstadt entspricht – und das für 70 Cent. Einfach toll!

Was macht diesen Rundgang aus?
Dieser Rundgang um den Helmholtzplatz vermittelt viel vom Lebensgefühl von Menschen, die sich bewusst dafür entschieden haben, in diesem Kiez zu leben. Man sieht, welche Infrastruktur geschaffen wurde, die sich nach den Bedürfnissen der Menschen richtet und nicht umgekehrt. Der kleine Helmholtzplatz widerspricht in seiner Gänze dem Klischee der Anonymität vom Leben in einer Großstadt. Er ist Alternative zu den Plattenbau-Siedlungen in anderen Stadtteilen - aber nur für die Menschen, die sich die Mieten rund um den Helmholtzplatz auch leisten können.

Wer diese Tour macht, sollte sich Zeit lassen und auf Details achten. Wer dies tut, wird eine spannende Entdeckungstour machen rund um einen Platz, der so typisch ist für den einstigen Szene-Bezirk Prenzlauer Berg. Und deshalb hat Astrid Kessler diese Tour auch ausgesucht. Danke!

Astrid Kessler – Sopranistin, als wäre sie in der Oper geboren

Auszug aus ihrer Vita:
Astrid Kessler entdeckte ihre Leidenschaft für das Musiktheater an der internationalen Schule Seoul, (Südkorea) wo sie ihren ersten Gesangsunterricht erhielt. Nach einem Schauspielkurs an der „Oswego State University“ (New York), studierte sie klassischen Gesang, an der Hochschule für Musik in Nürnberg bei Prof. Elisabeth Kovacs.
Sie besuchte Kurse bei Wilfried Jochens und Andreas Scholl und gewann mit ihrem Barockensemble 2003 den ersten Preis des Kammermusik-Wettbewerbs des Mozartvereins Nürnberg. Sie trat mit Ensembles wie „Musica Alta Ripa“ und „Musica Fiata“ auf, unter anderem bei den „Tagen Alter Musik Regensburg“, dem „Lautenfestival“ Bad Füssen, dem Festival „Musica Fraconia“, den „Arolser Barock-Festspielen“ und der „Göttinger Händel Gesellschaft.“

Ihr Operndebüt gab sie 2002 als „Taumännchen“ in der Stadthalle Bayreuth. Ein Jahr später gastierte sie als „Belinda“ in Cetinje, Montenegro, und wurde Mitglied der „Pocket Oper Company“ unter Peter Beat Wyrsch, wo sie in fünf Produktionen mitwirkte (u.a. Dorinda in Händels Orlando, Titania in Purcells Fairy Queen, Isis in Lullys gleichnamiger Oper). In der „Pasinger Fabrik“, München, gelang ihr 2008 eine fulminante Fiordiligi, die sie 2009 mit den Berliner Symphonikern zum zweiten Mal darstellen wird.

Astrid Kessler konzertiert deutschlandweit mit renommierten Orchestern, unter anderem mit dem Göttinger Symphonie Orchester, den Nürnberger Symphonikern, und den Thüringer Symphonikern. Sie trat bei den Merseburger Orgeltagen, zur Eröffnung des Gewandhauses Leipzig und beim Festival Sakraler Musik Nizza (unter Werner Andreas Albert) auf.

Mehr über Astrid Kessler auf ihrer Homepage „Kessia.de“.

Eindrücke vom Rundgang: