Schwerbelastungskörper in Tempelhof

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11.09.2009 >> Berlin News und Veranstaltungen >> Allgemein

Ein mysteriöses Erbe Nazi-Zeit: Der „Schwerbelastungskörper“ in Tempelhof
Der Schwerbelastungskörper ist ein von 1941 bis 1942 errichteter großer Zylinder aus Beton und Stahlbeton, mit dem die Belastung des Untergrundes durch einen von den Nationalsozialisten geplanten, gigantischen Triumphbogens, der in der Planung zur Umgestaltung Berlins zur Reichshauptstadt Germania eine wichtige Rolle spielte, simuliert werden sollte. Das denkmalgeschützte Bauwerk steht im Nordwesten von Berlin-Tempelhof an der General-Pape-Straße, nahe der Kolonnenbrücke.

Hitlers Pläne für „Germania“
Der »Schwerbelastungskörper ist eines der wenigen Zeugnisse der größenwahnsinnigen Pläne Adolf Hitlers und seines Architekten Albert Speers für die „Reichshauptstadt Germania“. Albert Speer hatte ein „Achsenkreuz“ entworfen, dessen Straßen in Nord-Süd-Richtung und in Ost-West-Richtung verlaufen sollten. Die Ost-West-Achse baute hauptsächlich auf bereits bestehende Straßen auf, die verbreitert oder durchgebrochen werden sollten. Die Nord-Süd-Achse jedoch schnitt sich durch bebautes Gebiet und war eine vollständige Neuanlage.

Im Wedding und in Tempelhof sollten zwei Zentralbahnhöfe entstehen. Sie sollten sich jeweils am nördlichen oder südlichen Ende der als „Prachtstraße“ geplanten Nord-Süd-Achse befinden. Die Straße und ihre Bauten sollten wegen ihrer überwältigenden Länge und Pracht alles andere auf der Welt übertreffen.

Der „Triumphbogen“
Am Ende der geplanten sieben Kilometer langen Nord-Süd-Achse, die sich von Moabit bis nach Tempelhof erstrecken sollte, war ein Triumphbogen mit gigantischen Ausmaßen geplant: Er sollte 170 Meter breit sein, 119 Meter tief und 117 Meter hoch. Damit hätte er alle übrigen Bauten Berlins um ein Vielfaches überragt.

Da die Bevölkerung nicht über das Projekt informiert werden sollte, bekam es einen Tarnnamen und wurde „Bau¬werk T“ genannt. Für die Bebauung musste erkundet werden, wie belastbar der weiche und nachgiebige Berliner Boden war. Zu diesem Zweck wurde der sogenannte „Schwerbelastungskörper“ nahe der Kolonnenbrücke gebaut. Für seine Bauarbeiten wurden vermutlich auch Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter eingesetzt.

Die Nord-Süd-Achse wurde in der geplanten Form niemals gebaut. Geblieben aber ist der Massivbeton-Zylinder von 21 Metern Durchmesser, einer Höhe von 14 Metern über und einer Tiefe von 18 Metern un¬ter der Erde. Seit April 1995 steht der Betonklotz unter Denkmalschutz.

Jetzt für die Öffentlichkeit zugänglich
Zum „Tag des offenen Denkmals“ am 12. September 2009 wird der „Informationsort Schwerbelastungskörper“ der Öffentlichkeit übergeben. Drei Betonstelen auf dem Gelände und ein Pavillon informieren nun über die Geschichte dieses ungewöhnlichen technischen Bauwerks. Ein Kooperationsverbund zwischen dem Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg und dem Verein Berliner Unterwelten e.V. macht den Ort und seine verborgene Geschichte auf Dauer der Öffentlichkeit zugänglich.
 

zuletzt geändert: 11.09.2009 um 18:05


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