Das Tacheles wird es am Monatsende nicht mehr geben

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08.07.2010 >> Berlin News und Veranstaltungen >> News

Hatte sich in der vergangenen Woche die „HSH Nordbank“ noch geweigert 80.000 Unterschriften zum Erhalt des Kunsthauses Tacheles entgegenzunehmen, wurde jetzt der Insolvenzverwalter aufgefordert, das gesamte Areal zum Monatsende räumen zu lassen. Es wird zu einer Zwangsräumung kommen, an der mehrere Hundertschaften von Polizisten in Bereitschaft gehen werden.

Ein Zitat aus der „Berliner Morgenpost“ von Martin Reiter, Vorstandsmitglied des insolventen
Tacheles e.V.: „Wir Künstler werden uns Uniformen aus dem Filmfundus besorgen und uns mit Schildern ,Wir sind die Künstler, das Volk' vor das Tacheles stellen. Die Polizei wird dann auf der anderen Seite stehen mit der Synagoge im Hintergrund. Das wird ein schönes Bild für internationale Fernsehteams geben.“

Am Samstag wird demonstriert
Damit bekommt auch die für Samstag angekündigte Demonstration (http://www.treffpunkt-berlin.eu/berlin-news/kultur--und-kunstszene-geht-auf-die-barrikaden-365.php ) einen solch aktuellen Bezug, dass wohl noch mehr Teilnehmer kommen werden als gedacht. Schließlich ist das Tacheles Kult und ein Berliner Aushängeschild, das jährlich von Hunderttausenden Touristen besucht wird.

Die HSH Nordbank habe jetzt mangels Masse einen Kostenvorschuss geleistet, damit das Insolvenzverfahren stattfinden könne, teilte Insolvenzverwalter Voigt-Salus der „Berliner Morgenpost“ mit. Und er machte gegenüber der „Berliner Morgenpost“ noch eine Aussage: Wie sonst üblich schütze das Insolvenzrecht den Tacheles e.V. nicht, in den Räumen zu verbleiben, da „das Mietverhältnis, mit dem der Kunstverein das Haus in der Oranienburger Straße nutzt, seit dem Jahreswechsel 2008/9 nicht mehr besteht“.

Die „HSH Nordbank“ ist alles andere als ein unbeschriebenes Blatt Interessant ist ein Artikel im Magazin „Focus“ vom 15. April 2010 (Zitat): „Mit hochriskanten Wettgeschäften hatte sich die HSH an den Rand des Abgrunds manövriert. Nur der Staat verhinderte die Pleite: Hamburg und Schleswig-Holstein, die beiden größten Eigentümer, machten drei Milliarden Euro aus dem Steuersäckel locker. Obendrauf gab es Bürgschaften über zehn Milliarden Euro. Der Rettungsfonds SoFFin versprach 30 Milliarden Euro an Garantien.“
Deshalb ist das Tacheles ein Opfer „hochriskanter Wettgeschäfte“ einer Bank geworden.

Der Senat hat seine Möglichkeiten nicht ausgeschöpft
Bedauerlich ist auch, dass außer einigen wagen Lippenbekenntnissen der Berliner Senat sich nicht von Anfang an in die Verhandlungen eingeschaltet hat. Berlins Kultursenator, gleichsam Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, hätte sich mit einem entsprechenden Engagement viele Pluspunkte für die im nächsten Jahr anstehende Wahl profilieren können.

Auch deshalb ist die Abschlusskundgebung am Samstag vor dem Roten Rathaus von den Organisatoren gut gewählt worden. Wenn das Tacheles fällt geht Berlin ein herausragendes Stück Kultur verloren - man mag es sich gar nicht vorstellen.

Dies alles und noch viel mehr würde Berlin verlieren

 
 

zuletzt geändert: 08.07.2010 um 14:36


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