Berlin am 1. Mai 2010 - ein Tag (fast) wie jeder andere auch

News
02.05.2010 >> Berlin News und Veranstaltungen >> News

Die Polizeigewerkschaft prognostizierte Tote, N24 sendete live, und alle Medien hofften auf Bilder der Gewalt - Berlin am 1. Mai 2010 war aber anders. Unsere Redaktion machte einen Streifzug durch die Hauptstadt und war an den sogenannten Brennpunkten, um der Wahrheit über den 1. Mai 2010 auf die Spur zu kommen.

Tag der Demonstrationen
Der 1. Mai war schon immer traditionell ein Tag unzähliger Demonstrationen - 41 waren angemeldet. Doch dieses Jahr war einiges anders, denn neben Gewerkschaften und anderen Organisatoren meldete auch die Berliner NPD eine Demonstration mit 3000 Neonazis an. Und prompt riefen ein Dutzend Organisationen zu Gegendemonstrationen und Blockaden auf. Auch das hat Tradition.

Der Spuk war schnell vorbei
Die Neonazi-Demonstration kam gerade mal 600 Meter weit, um dann wieder umdrehen zu müssen. Ohne jegliche Gewalt, nur durch die Präsenz von über 10.000 Demonstranten, die den Weg der Demonstration blockierten, war dieser Spuk vorbei. Die Strategie der Polizei, durch ebenfalls starke Präsenz die Demonstranten und Blockierer strikt zu trennen, ging voll auf.

Friedliche Koexistenz
Unter den Blockierern herrschte eher eine Stimmung wie auf einem Open-Air-Konzert. Man plauderte mit den Polizisten, spielte Musik aus dröhnenden Lautsprechern, und Kinder spielten auf den Straßen. Von Gewalt war nirgendwo etwas zu spüren. Es schien, als hätten sich Polizei und Blockieren in friedlicher Koexistenz verabredet, und zwar an allen Ecken und Enden. Fast enttäuscht mussten vor allem die Fernseh-Nachrichtensender melden, dass alles friedlich verlief. Mit solchen Meldungen macht man eben keine Quote.

 

Kreuzberg ist eben anders
Dann machte sich die Redaktion auf den Weg nach Kreuzberg, wo neben dem traditionellen „MyFest“, das die Anwohner rund um das Kottbusser Tor selbst veranstalten und immer um die 30.000 Besucher kommen, auch die sogenannte „Revolutionäre Mai-Demonstration“ stattfindet, die im vergangenen Jahr mit noch nie gekannter Gewalt endete. Daraus scheinen der sogenannte „Schwarze Block“ und vor allem die Polizei gelernt zu haben. Einmal wurde die Demonstration nur auf dem breiten, übersichtlichen Kottbusser Damm genehmigt, die Polizei zeigte Präsenz wie noch nie, und auch die Veranstalter haben sich freiwillig verpflichtet, sich auf politische Inhalte zu konzentrieren und Gewalt zu verhindern. Die Demonstration verlief friedlich. Dass nach dem Ende der Demo einzelne Unverbesserliche Steine und Flaschen auf die Polizei geworfen haben, ist im Vergleich zum Vorjahr nur eine Marginalie, wenn auch eine unerfreuliche.

Die Realität am 1. Mai
Es ist aber auch nicht zu akzeptieren, dass man diese Vorfälle so darstellt, als würden in ganz Berlin bürgerkriegsähnliche Zustände herrschen. Das ist stimmt so wahrlich nicht, denn die Demonstrationen sind auf einige ganz wenige Straßen in Kreuzberg beschränkt. Berlin-Besucher haben davon nichts, aber auch gar nichts mitbekommen. Sie haben das herrliche Wetter am 1. Mai genossen und sich an den vielen Sehenswürdigkeiten der Stadt erfreut - als wäre es ein Tag wie jeder andere.

zuletzt geändert: 04.05.2010 um 17:56


zurück zur Übersicht