Gendarmenmarkt: Der „Deutsche und der Französische Dom“ und das Konzerthaus Berlin am schönsten Platz Europas

Als schönster Platz Europas gilt für viele Berlin-Besucher der Gendarmenmarkt, benannt nach der Hauptwache und den Ställen des Regiments „Gens d’armes“ die bis 1773 die Deutsche Kirche umsäumten.

Der Deutsche und der Französische Dom, als würden sich Bruder und Schwester zweier unglaublich schönen Kirchen gegenüberstehen. Beide gehören mit dem Konzerthaus Berlin an die Spitze der bedeutendsten Bauwerke Berlins.

Der Name „Dom“ hat mit Kirche nichts zu tun
Die Bezeichnung „Dom“ hat schon bei manchem Berlin-Besucher für Verwirrung gesorgt, denn der Name „Dom“ bezieht sich ausschließlich auf die Form der Architektur, die auf dem französischen Wort „dôme“ beruht, das ein Turmgebäude mit Kuppel beschreibt, aber nicht eine Kirche. In in der Adventszeit findet auf dem Gendarmenmarkt zu Füßen der Dome und des Konzerthauses einer der schönsten Weihnachtsmärkte Berlins statt.

Zur Geschichte
Der Französische Dom

Auf der Nordseite des Platzes liegt der Französische Dom, er wurde Anfang des 18. Jahrhunderts für die Gemeinde der Hugenotten gebaut, die sich aufgrund ihrer Verfolgung ab 1685 in Berlin angesiedelt hatten, weshalb sie auch ähnlich einer Hugenottenkirche in Charenton in Frankreich war. Im Zwischengeschoss des Französischen Doms ist das Hugenottenmuseum untergebracht, das die Besucher über die Geschichte der reformierten Kirche in Frankreich und der hugenottischen Gemeinden in Brandenburg-Preußen informiert.

Der Deutsche Dom
Auf der Südseite des Gendarmenmarktes wurde der Deutsche Dom (oder Neue Kirche) errichtet, da die Jerusalemkirche in Kreuzberg für die ständig wachsende Zahl der Gemeindemitglieder nicht mehr ausreichte. Beide Kirchen sind ursprünglich als schlichte Barockbauten erbaut worden. Erst nachdem beschlossen wurde, die Residenz mit Palästen und Türmen aufzuwerten, erhielt ein gewisser Carl von Gontard den Auftrag, an die Mini-Kirchen überdimensionalen Turmbauten zur Seite zu stellen. Dies wurde in den Jahren 1780 bis 1785 vollzogen.

Eine schaurige Legende
Einiges der Historie ist jedoch bis heute eine Legende, aber durchaus erwähnenswert. So kann man beispielsweise lesen, dass die Türme Schauplatz einer Begebenheit gewesen sein sollen, die den Domen - abweichend von den historischen Tatsachen - ihren Namen gegeben hat:

Es war zur Zeit Friedrichs des Großen, der Preußen 46 Jahre lang, von 1740 bis 1786, als absolutistischer Herrscher regierte und, von der Aufklärung beeinflusst, in dieser Zeit Kunst und Wissenschaft förderte sowie eine Rechtsreform einleitete und religiöse Toleranz predigte.

Damals lebte in Berlin ein Seiltänzer, der die Leute durch seine Künste oft ergötzte. Doch eines Tages kam ein Franzose angereist, der ihm den Ruf streitig machen wollte und öffentlich ausrufen ließ, dass er seine Kunst besser verstünde als jeder andere. Das hörte auch der Alte Fritz, und da gerade die Türme der beiden Kirchen auf dem Gendarmenmarkt fertig geworden waren, ließ er von der einen Kirchturmspitze zur anderen ein Seil spannen und befahl den Artisten zu zeigen, wer von ihnen der geschicktere sei. So stiegen beide gleichzeitig auf das Seil, jeder an einem Ende, und schritten aufeinander zu.

Als sie aber in der Mitte aufeinandertrafen, wusste keiner, wie er am anderen vorbeikommen sollte. Schließlich sagte der Berliner: „Duck dich, Franzose!“, schwang sich hurtig über den Gegner hinweg und erreichte glücklich den anderen Turm.

Sei es nun, dass das Seil darüber zu sehr ins Schwanken geraten war oder dass der Franzose durch den Jubel des Volkes irritiert war - jedenfalls verlor er das Gleichgewicht, stürzte ab und brach sich das Genick.

Seitdem nannten die Leute die Kirche, bei der der Franzose seinen Marsch begonnen hatte, den „Französischen" und die andere den „Deutschen" Dom.

Deutscher Dom
Gendarmenmarkt 1-2, 10117 Berlin, Telefon: 030 22 73 04 31
Öffnungszeiten: Oktober bis April von 10 bis 18 Uhr, von Mai bis September von 10 bis 19 Uhr
Eintritt frei
Führungen: jeweils um 11, 13 und 16 Uhr
Haltestellen der U-Bahn: Französische Straße, Hausvogteiplatz, Stadtmitte

Das „Konzerthaus am Gendarmenmarkt“
Schon in den Jahren 1774 bis 1776 hatte Friedrich der Große am Gendarmenmarkt ein kleines „Französisches Komödienhaus“ erbauen lassen, das gegen Ende des 18. Jahrhunderts als „Nationaltheater“ unter August Wilhelm Iffland zur führenden deutschen Bühne wurde. Bereits 1800/01 erbaute Carl Gotthard Langhans ein neues, größeres Theater, dessen Architektur sich nun gegen die beiden 1785 fertiggestellten Turmbauten des Deutschen und des Französischen Domes behaupten musste. 1817 brannte das Gebäude bis auf die Umfassungsmauern völlig ab. Ein Jahr später bekam Schinkel den Zuschlag für einen Neubau.

Schinkel war aber an einige Vorgaben des Königs gebunden: Bühne und Zuschauerraum sollten zugunsten eines zusätzlichen Konzertsaals und anderer Nebenräume verkleinert werden.

1881 wurde der vorher verputzte Backsteinbau mit Sandsteinplatten verblendet. Der Mittelbau umfasste einen 1200 Plätze fassenden Theatersaal, der halbkreisförmig angelegte Zuschauerraum besaß ein ansteigendes Parkett und zwei Balkone mit dahinter liegenden Logen. 1903/04 wurde der Raum neobarock umgestaltet.

Nach den schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde der Außenbau originalgetreu rekonstruiert, das Innere jedoch völlig verändert. Statt eines Theaters mit Bühne wurde ein 1412 Plätze fassender Konzertsaal mit einer an Schinkelschen Detailformen orientierten Ausstattung eingebaut. Die feierliche Eröffnung erfolgte 1984. Seit 1994 trägt das Haus den Namen „Konzerthaus Berlin“.

Öffnungszeiten der Tageskasse (Besucherservice): Montag bis Samstag von 12 bis 19 Uhr, Sonn- und Feiertage 12 bis 16 Uhr.
Führungen: nach Vereinbarung.
Veranstaltungen auf der Homepage: www.konzerthaus.de

Weihnachtsmarkt auf dem Gendarmenmarkt